Was KI für uns tun kann und was wir ihr nicht überlassen sollten
KI ist ein Helfer. Sie ist nicht der Autor, nicht der Experte, der immer recht hat, und auch nicht der Mensch hinter Ihrem Profil.
In dieser Lektion geht es nicht darum, ob KI „gut“ oder „schlecht“ ist. Es geht darum zu verstehen, wo sie uns wirklich hilft und wo wir selbst gefragt sind.
Künstliche Intelligenz ist längst Teil der sozialen Medien, ganz unabhängig davon, ob wir sie bewusst nutzen oder nicht. Wir begegnen ihr bei Facebook und Instagram, in Canva, in Apps für Video und Übersetzung, in Schreibprogrammen und natürlich in Werkzeugen wie ChatGPT, Meta AI und anderen KI-Anwendungen, die immer mehr Menschen im Alltag nutzen.
Dabei begegnen uns meistens zwei Extreme.
Die einen erwarten von KI praktisch alles. Sie soll die Idee für den Beitrag liefern, den Text schreiben, ein Bild vorschlagen, die Antwort auf einen Kommentar formulieren und irgendwann fehlt wahrscheinlich nur noch der Knopf „Baue mir mein Business auf“. 😄
Die anderen nutzen KI fast gar nicht, weil sie meinen, ein Text sei nicht mehr echt, sobald KI dabei geholfen hat.
Zwischen diesen beiden Extremen liegt ziemlich viel Raum. Und genau dort bewegen wir uns in diesem Untermodul.
KI ist besonders hilfreich, wenn wir ihr etwas geben, mit dem sie arbeiten kann
Am wenigsten hilfreich ist es, mit einem völlig leeren Blatt zu beginnen:
„Schreib mir einen Facebook-Beitrag.“
Technisch kann KI das natürlich. Aber was weiß sie in diesem Moment über Sie?
Sie weiß nicht, was Ihnen heute passiert ist. Sie weiß nicht, worüber Sie sich gestern geärgert haben. Sie kennt das Gespräch mit Ihrem Kunden nicht. Sie weiß nicht, was Ihnen beim Spaziergang mit dem Hund durch den Kopf gegangen ist oder warum Sie heute Morgen plötzlich gedacht haben: „Darüber muss ich etwas schreiben.“
Wenn wir nichts Eigenes hineingeben, muss KI die leeren Stellen mit etwas Allgemeinem füllen. Genau dann entstehen diese Beiträge, die technisch wunderbar geschrieben sind, aber genauso gut von hundert anderen Menschen stammen könnten.
Ganz anders sieht es aus, wenn wir sagen:
„Heute hat mir eine Frau erzählt, dass sie nicht gern über ihr Business postet, weil sie das Gefühl hat, ihre Freunde damit zu nerven. Das hat mich darüber nachdenken lassen, wie viele Menschen eigentlich das Zeigen ihres Business mit Werbung verwechseln. Diesen Gedanken möchte ich in einem Beitrag weiterentwickeln.“
Jetzt gibt es einen echten Ausgangspunkt. Der Gedanke ist Ihrer, die Situation ist Ihre und die Sichtweise kommt von Ihnen. KI kann Ihnen helfen, daraus eine klare Struktur zu machen.
Gebe ich der KI genug von mir oder lasse ich sie raten?
Hier soll KI den Beitrag noch nicht schreiben. Wir prüfen zuerst, ob wir genug von uns selbst hineingegeben haben, damit sie überhaupt sinnvoll mit unserer Idee arbeiten kann.
Wobei KI uns wirklich Zeit sparen kann
Im täglichen Umgang mit Social Media gibt es viele Aufgaben, für die wir nicht jedes Mal eine halbe Stunde vor einem leeren Bildschirm sitzen müssen.
Wir können KI zum Beispiel einen ungeordneten Gedanken geben und sie bitten, uns beim Strukturieren zu helfen. Wir können ihr einen bereits geschriebenen Beitrag zeigen und fragen, wo wir uns wiederholen oder welche Stelle unklar ist. Bei einem langen Text kann sie helfen, ihn zu kürzen, ohne dass die Hauptidee verloren geht.
Sie kann verschiedene Einstiege für denselben Beitrag vorschlagen, wenn wir bereits wissen, was wir sagen möchten, aber mit dem ersten Satz noch nicht zufrieden sind. Sie kann zehn unserer Beiträge gemeinsam betrachten und feststellen, dass wir in acht davon praktisch über dasselbe Thema sprechen.
Sie kann uns auch darauf aufmerksam machen, dass eine Antwort auf einen Kommentar schärfer klingt, als wir sie gemeint haben. Sie kann übersetzen, einen Text verständlicher machen, zwei Versionen vergleichen, längere Informationen zusammenfassen oder verschiedene Richtungen für ein Thema zeigen, das bereits von uns kommt.
Wir müssen ihr also nicht die ganze Arbeit überlassen. Sehr oft liegt ihr größter Nutzen gerade in den kleinen Dingen, die uns sonst unnötig Zeit kosten.
KI kann ein sehr guter zweiter Blick sein
Das ist für mich eine ihrer nützlichsten Rollen.
Wenn wir eine halbe Stunde an einem Beitrag geschrieben haben, kennen wir ihn irgendwann fast auswendig. Dann sehen wir Wiederholungen nicht mehr so leicht. Wir merken vielleicht nicht, dass wir von einem Gedanken zum nächsten springen. Und manche Sätze erscheinen uns völlig klar, einfach weil wir selbst wissen, was wir damit gemeint haben.
KI hat dieses Problem nicht.
Wir können ihr unseren Text geben und statt „Mach ihn besser“ etwas viel Nützlicheres fragen:
„Schreibe den Text nicht neu. Lies ihn wie ein Mensch, der mich nicht kennt, und sage mir, an welchen Stellen nicht klar wird, was ich eigentlich sagen möchte.“
Das ist eine völlig andere Art, KI zu nutzen. Sie schreibt nicht an unserer Stelle. Sie hilft uns, unseren eigenen Text einmal von außen zu betrachten.
Genau diese Möglichkeit werden wir in den nächsten Lektionen noch sehr oft nutzen.
Was ich ihr nicht überlassen würde: meine eigene Haltung
KI kann Ihnen eine Meinung zu einem Thema liefern. Und sie kann diese Meinung sogar sehr überzeugend formulieren.
Wenn Sie diese Meinung aber unter Ihrem eigenen Namen veröffentlichen, sollten Sie zuerst wissen, ob es wirklich Ihre Meinung ist. Gerade beim persönlichen Profil ist das entscheidend.
Wenn Sie zum Beispiel fragen:
„Was hältst du von Menschen, die sagen, dass Network Marketing nicht funktioniert?“
kann daraus ein wunderbar geschriebener Text entstehen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Sie selbst genauso denken.
Viel sinnvoller ist es, zuerst zu sagen, was Sie selbst denken. Das darf ruhig ungeordnet sein. Danach kann KI Ihnen helfen, Ihre Gedanken klarer zu strukturieren.
Sonst kann mit der Zeit etwas ziemlich Merkwürdiges passieren: Auf dem Profil stehen Ihr Name und Ihr Foto, aber die Meinungen darin stammen von der Maschine.
Ist das noch meine Haltung oder bereits die der KI?
KI soll hier unsere Meinung nicht „verbessern“. Wir nutzen sie nur, um zu prüfen, ob wir uns selbst im Text noch wiedererkennen.
Lassen Sie KI auch Ihre persönlichen Geschichten nicht erfinden
Das klingt selbstverständlich, aber es ist wichtig genug, um es ausdrücklich zu sagen. Wenn wir einen persönlichen Beitrag schreiben möchten, muss das persönliche Material von uns kommen.
KI kann uns helfen, eine Geschichte zu erzählen, die wirklich passiert ist. Sie sollte aber kein Erlebnis erfinden, nur damit der Beitrag „emotionaler“ wirkt.
Dasselbe gilt für Ergebnisse, Gespräche mit Kunden, Erfahrungen mit einem Produkt, Geschichten aus dem Team und alles andere, was wir als tatsächlich erlebt darstellen.
Ein erfundenes Detail kann einen Text vielleicht schöner machen. Aber es macht ihn nicht mehr zu unserem.
KI ist keine verlässliche Quelle für Fakten, nur weil sie sicher klingt
Das ist die zweite große Grenze.
KI kann eine falsche Antwort mit genau derselben Sicherheit formulieren wie eine richtige.
Genau das macht es manchmal so schwierig. Wenn sie „Ich weiß es nicht“ schreibt, werden wir wahrscheinlich nachprüfen. Bekommen wir dagegen eine sauber strukturierte Erklärung mit konkreten Zahlen und Fachbegriffen, ist es viel leichter, sie einfach zu übernehmen.
Deshalb gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen:
„Hilf mir, diese Information verständlich zu formulieren.“
und:
„Sag mir, wie die Fakten dazu aussehen.“
Bei der zweiten Variante müssen wir uns bereits fragen, woher die Informationen stammen.
Wenn es um aktuelle Facebook-Regeln, Statistiken, rechtliche Anforderungen, Inhaltsstoffe eines Produkts, Unternehmensinformationen oder wissenschaftliche Aussagen geht, prüfen wir eine verlässliche Quelle.
KI kann uns auch bei dieser Prüfung helfen. Aber denselben Chatbot, der eine Information gerade erfunden hat, anschließend zu fragen „Stimmt das wirklich?“, ist keine besonders zuverlässige Kontrolle. 😄
Bei Gesundheitsthemen ist diese Grenze noch wichtiger
In unserer Arbeit spielt das eine besondere Rolle, weil ein Teil unserer Inhalte Gesundheit, Nahrungsergänzung und persönliches Wohlbefinden betrifft.
Wir nutzen KI nicht, um bei einem Menschen anhand von Symptomen, die er uns im Messenger beschrieben hat, eine Diagnose zu stellen. Wir fragen KI nicht, welche Erkrankung diese Person wahrscheinlich hat, und verwenden die Antwort anschließend nicht als Grundlage, um ihr ein Produkt zu empfehlen.
Genauso wenig übernehmen wir automatisch Gesundheitsinformationen, nur weil KI sie überzeugend formuliert hat.
Wir können KI nutzen, um vorhandene Produktinformationen verständlicher zu erklären, einen Text mit einem Etikett zu vergleichen oder eine Aussage zu erkennen, die wir noch überprüfen sollten. Die Quelle für konkrete Inhaltsstoffe, Dosierungen und zulässige Aussagen muss jedoch eine verlässliche Produktinformation sein und nicht die Fantasie eines Chatbots.
„Klingt logisch“ reicht hier einfach nicht.
Noch eine Grenze: persönliche Daten anderer Menschen
Im vorherigen Untermodul haben wir KI bereits genutzt, um Gespräche zu analysieren. Das kann sehr hilfreich sein. Dafür müssen wir der KI aber nicht gleich die komplette persönliche Akte des Menschen gegenüber geben.
Wenn wir Hilfe bei einem Gespräch möchten, ist es meistens völlig unwichtig, ob die Frau Maria Müller heißt, wo sie wohnt, wo sie arbeitet oder wie ihre Kinder heißen.
Wir können Namen und Details entfernen, die für die eigentliche Aufgabe nicht notwendig sind.
Dasselbe gilt für Fotos von Dokumenten, Adressen, Telefonnummern, Kundendaten, medizinische Informationen und alles andere, was wir auch nicht einfach öffentlich weitergeben würden.
Eine gute Gewohnheit ist, sich vor dem Einfügen fremder Informationen in eine KI eine Frage zu stellen: Braucht die KI dieses Detail wirklich, um mir bei meiner Aufgabe zu helfen? Wenn nicht, lassen wir es weg.
Gebe ich unnötige persönliche Daten weiter?
Der erste Schritt liegt bei uns. Sensible Daten gehören nicht erst in den Prompt, damit wir die KI anschließend fragen können, ob wir sie hätten hineinschreiben sollen.
Nicht jede Aufgabe muss durch KI laufen
Auch das ist wichtig. Wenn wir uns an ein bequemes Werkzeug gewöhnt haben, öffnen wir es irgendwann für fast alles.
Jemand schreibt uns:
„Alles Gute zum Geburtstag! ❤️“
und wir öffnen KI:
„Schreib mir eine warme, authentische und menschliche Antwort auf diesen Kommentar.“
Nun ja... „Vielen Dank! ❤️“ funktioniert auch. 😂
Nicht jeder Satz muss optimiert werden. Nicht jeder Kommentar muss interessanter gemacht werden. Und ganz sicher muss nicht jeder Gedanke erst durch eine Maschine, bevor er bei Facebook landen darf.
Wenn wir wissen, was wir sagen möchten, sagen wir es. KI kommt dort ins Spiel, wo sie uns wirklich hilft.
Eine sinnvolle Aufteilung der Arbeit
Vielleicht lässt sich die Rolle von KI am einfachsten so merken:
Von mir kommen
meine Erfahrung, meine Meinung, die Fakten über mich, meine persönliche Geschichte, meine Haltung gegenüber dem Menschen und die endgültige Entscheidung, was ich veröffentlichen möchte.
Von KI kann kommen
Hilfe beim Strukturieren, eine andere Perspektive, Fragen, Varianten, Analyse, Kürzung, das Erkennen von Wiederholungen und Hinweise auf Dinge, die ich selbst übersehen habe.
Diese Grenze ist kein starres Gesetz. Manchmal geben wir KI etwas mehr, manchmal fast nichts.
Aber wenn wir nach der Arbeit mit KI unseren Text lesen und denken:
„So würde ich das niemals sagen.“
dann ist das ein ziemlich gutes Zeichen dafür, dass wir der KI etwas mehr von unserer Arbeit überlassen haben, als sinnvoll war.
Praxis: bevor wir KI um etwas bitten
Achten Sie in den nächsten Tagen einmal darauf: Wenn Sie KI für Social Media nutzen möchten, beginnen Sie nicht sofort mit dem Prompt.
Stellen Sie sich zuerst drei Fragen:
Allein diese drei Fragen können das Ergebnis deutlich verändern.
Und genau hier beginnt die nächste Lektion.
Denn oft liegt das Problem gar nicht darin, dass KI „nicht so schreiben kann wie wir“. Wir haben ihr einen einzigen Satz gegeben und gleichzeitig erwartet, dass sie alles andere von selbst versteht.
In Lektion 2: „Wie wir einen guten Prompt schreiben, damit die Antwort wirklich brauchbar wird“ schauen wir uns an, wie wir KI genug Informationen geben, ohne jedes Mal einen halben Roman schreiben zu müssen.
