UNTERMODUL 08 · LEKTION 01

Ein Gespräch beginnt nicht im Messenger

Neue Kontakte entstehen oft lange, bevor jemand die erste private Nachricht schreibt. Menschen sehen sich, begegnen sich wieder, reagieren aufeinander und werden sich langsam vertraut.

Sie
ein anderer Mensch
Man begegnet sich immer wieder
01 sehen
02 wiedererkennen
03 ins Gespräch kommen
WENN WIR AN NEUE KONTAKTE DENKEN

Wenn wir über neue Kontakte auf Facebook sprechen, denken viele Menschen sofort an den Messenger.

Wem soll ich schreiben?
Was soll ich schreiben?
Wie beginne ich ein Gespräch?
Wie komme ich auf das Produkt oder das Business?

Wenn der erste echte Kontakt mit einem Menschen aber erst im Messenger beginnt, haben wir sehr oft einen wichtigen Teil übersprungen.

Denn ein Gespräch beginnt meistens viel früher.
EINE GANZ NORMALE SITUATION

Erst sehen wir einen Namen. Später kennen wir ihn.

Stellen Sie sich etwas ganz Alltägliches vor.

Ein Mensch taucht mehrmals unter Beiträgen auf, die auch Sie lesen.

01 Ein Kommentar bringt Sie zum Lachen. Sie reagieren darauf.
02 Ein anderes Mal stimmen Sie ihm zu und antworten.
03 Einige Tage später kommentiert er einen Ihrer Beiträge.
04 Sie antworten. Später begegnen Sie sich wieder.
05 Irgendwann ist Ihnen sein Name nicht mehr völlig fremd.
Es ist nichts Besonderes passiert.
Aber Sie haben sich bereits wahrgenommen.

Sie haben kein „Business-Gespräch“ geführt. Sie haben keine Telefonnummern ausgetauscht. Vielleicht sind Sie noch nicht einmal auf Facebook miteinander befreundet.

Aber Sie haben einander bereits bemerkt.

Und genau diesen Teil unterschätzen wir sehr oft.

IM ECHTEN LEBEN MACHEN WIR ES GENAUSO

Menschen werden nach und nach zu Bekannten

Café
Fitnessstudio
Geschäft
Hunderunde

Wenn Sie regelmäßig an denselben Orten sind, beginnen Sie irgendwann, Menschen wiederzuerkennen.

Zuerst haben Sie sich nur gesehen. Dann grüßen Sie sich. Irgendwann wechseln Sie zwei Worte.

Später wissen Sie vielleicht schon, wer wo wohnt, wie der Hund heißt und was der andere über die Baustelle in der Straße denkt. 😄

Niemand sitzt zu Hause mit einem Notizbuch und schreibt: „Heute muss ich drei neue Kontakte knüpfen.“

Menschen werden einfach nach und nach zu Bekannten.

In Social Media funktioniert das nicht grundsätzlich anders.

UND DANN PASSIERT OFT DAS GEGENTEIL

Wir überspringen das Kennenlernen

Viele Menschen überspringen in Social Media genau diesen natürlichen Teil.

Sie sehen ein Profil, das interessant aussieht, schicken eine Freundschaftsanfrage und zwei Minuten nach der Annahme beginnt es.

Hallo, danke, dass du meine Freundschaftsanfrage angenommen hast. Was machst du beruflich?
...
Ich frage, weil ich gerade ein großartiges internationales Projekt aufbaue ...
Und spätestens bei der dritten Nachricht versteht der andere Mensch ziemlich genau, warum wir ihn eigentlich kennenlernen wollten. 😂

Das bedeutet nicht, dass wir niemals einem Menschen schreiben dürfen, den wir noch nicht kennen.

Natürlich dürfen wir das. Manchmal gibt es einen ganz natürlichen Anlass.

NATÜRLICHER ANLASS
„Ich schreibe dir, weil ich das Gespräch unter dem Beitrag wirklich interessant fand.“

Es gibt bereits einen konkreten Bezug zwischen zwei Menschen.

KONTAKT ALS AUFGABE
„Ich schreibe dir, weil du ein neuer Kontakt in meiner Liste bist.“

Der Mensch wird zuerst als Möglichkeit gesehen und erst danach als Mensch.

Menschen spüren diesen Unterschied.
EIN KLEINES DETAIL MIT WIRKUNG

Auch Reaktionen gehören zum Kennenlernen

Ein einzelnes Like bedeutet natürlich nicht besonders viel.

Wir müssen keinen Menschen psychoanalysieren, nur weil er unter einem Beitrag ein Herz hinterlassen hat. 😄

Reaktionen gehören aber zu den kleinen Signalen, durch die Menschen beginnen, einander wahrzunehmen.

Wenn jemand regelmäßig unsere Beiträge liest, manchmal reagiert und ein anderes Mal kommentiert, wird sein Name irgendwann vertraut.

Dasselbe passiert, wenn wir ganz natürlich bei anderen Menschen präsent sind.

DAS ENTSCHEIDENDE WORT

Normal

normal

Ich spreche nicht von dieser Art von „Engagement“, bei der wir morgens eine Liste mit 30 Menschen erstellen und dann überall Kommentare hinterlassen, weil uns jemand gesagt hat, der Algorithmus würde uns dafür lieben oder wir könnten diesen Menschen zwei Wochen später unser Business vorstellen.

Dann führen wir kein Gespräch mehr.
Wir erledigen eine Aufgabe.

Und früher oder später merkt man das.

Ein Kontakt entsteht nicht dadurch, dass wir eine Methode abarbeiten.
MAN MERKT ES SOFORT

Ein Kommentar sollte etwas mit dem Beitrag zu tun haben

Wahrscheinlich haben auch Sie solche Kommentare schon bekommen.

Der Kommentar könnte überall stehen

„Wundervoller Beitrag! Mach weiter so und inspiriere die Menschen! ❤️“

Und Sie denken: Okay ... aber hast du eigentlich gelesen, was ich geschrieben habe? 😂

„Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, du wundervolle Seele!“

Besonders passend, wenn Sie gerade einen Beitrag über etwas veröffentlicht haben, das Sie richtig geärgert hat. 😄

Ein echter Kommentar

Ein echter Kommentar hat normalerweise einen Bezug zu dem, was geschrieben wurde.

ein Satz
ein kleiner Scherz
eine andere Meinung
eine eigene Erfahrung

Er muss nicht lang sein. Und wir müssen nicht jedes Mal beweisen, wie interessant wir selbst sind.

Manchmal ist das Normalste, einfach zu reagieren und weiterzugehen.

Auch das andere Extrem wirkt merkwürdig: zu glauben, dass wir uns unter jedem Beitrag unbedingt ins Gespräch einmischen müssen, damit jemand uns bemerkt.

Das müssen wir nicht.

Was Bekanntschaft entstehen lässt, ist selten ein genialer Kommentar. Es ist eher eine Reihe kleiner, ganz normaler Begegnungen.
UND DANN KOMMT IHR PROFIL INS SPIEL

Ein einziger Kommentar kann jemanden neugierig auf Sie machen

Stellen Sie sich vor, Sie haben irgendwo einen interessanten Kommentar geschrieben und ich kenne Sie nicht.

Mir gefällt, was Sie geschrieben haben, und aus Neugier klicke ich auf Ihren Namen.

Ich lese Ihren Kommentar
Ich klicke auf Ihren Namen
Ich sehe den Menschen hinter dem Kommentar

Genau deshalb waren die vorherigen Untermodule keine voneinander getrennten Übungen.

Ihr Profil, Ihre Beiträge, Ihre Themen und die Art, wie Sie Ihr Business zeigen, beginnen jetzt zusammenzuarbeiten.

Vielleicht entdecke ich einen gemeinsamen Interessenbereich. Vielleicht sehe ich, dass Sie sich mit etwas beschäftigen, das mich interessiert.

Vielleicht denke ich einfach: „Mir gefällt, wie dieser Mensch denkt.“

Und vielleicht mache ich danach überhaupt nichts.

Auch das ist völlig normal.

Zwei Wochen später begegne ich Ihnen vielleicht wieder unter einem anderen Beitrag.

Dann ist Ihr Name bereits vertraut.

KONTAKTE SIND KEINE ZAHL

Eine große Freundesliste ist noch kein echtes Netzwerk

Genau deshalb hat das Knüpfen von Kontakten in Social Media für mich wenig damit zu tun, möglichst viele Freunde zu sammeln.

5.000 Sie können fünftausend Freunde haben und ein großer Teil davon hat keine Ahnung, wer Sie sind.
weniger Sie können ein viel kleineres Netzwerk haben, in dem Menschen einander wirklich erkennen, miteinander sprechen und nach und nach mehr voneinander erfahren.
BESONDERS IM NETWORK MARKETING

Was passiert, wenn wir jeden Menschen sofort qualifizieren?

Gerade im Network Marketing ist dieser Unterschied enorm.

Wenn wir jeden neuen Menschen sofort durch die Frage betrachten: „Könnte er Kunde oder Geschäftspartner werden?“, verändert sich unser Verhalten sehr schnell.

Wir lesen seinen Kommentar nicht mehr einfach, weil wir ihn interessant finden.

Wir beginnen, Informationen zu sammeln.

Was arbeitet er? Hat er ein Business? Interessiert er sich für Gesundheit? Wirkt er unternehmerisch? Kennt er viele Menschen?
Und bevor wir überhaupt wissen, wie seine Katze heißt, haben wir ihn bereits qualifiziert. 😂
Ich würde die Richtung umdrehen.
Zuerst der Mensch.
WENN SPÄTER Interesse an einem Produkt entsteht, wunderbar.
WENN SPÄTER Interesse am Business entsteht, ebenfalls wunderbar.
WENN NICHT war der Kontakt trotzdem nicht „umsonst“.
Denn ein soziales Netzwerk ist keine Datenbank potenzieller Kunden. Es ist ein Netzwerk aus Menschen.
NACH DIESEM UNTERRICHT

Heute müssen Sie keine zehn neuen Menschen finden 😄

Beobachten Sie in den nächsten Tagen lieber, wie Menschen tatsächlich in Ihrem Facebook-Umfeld auftauchen.

01 Welche Namen beginnen Sie wiederzuerkennen?
02 Wem begegnen Sie mehr als einmal?
03 Wo beteiligen Sie sich, weil Sie das Thema wirklich interessiert?

Nicht, weil Sie „Aktivität machen“ müssen.

Genau dort beginnen Kontakte.

DER WICHTIGSTE GEDANKE

Viele Gespräche haben längst begonnen

Je natürlicher wir in einem sozialen Netzwerk präsent sind, desto seltener müssen wir überlegen, wie wir ein Gespräch „beginnen“ sollen.

vielleicht mit einer Reaktion
vielleicht mit zwei Sätzen unter einem Beitrag
vielleicht durch mehrere Begegnungen rund um dasselbe Thema
vielleicht liest uns jemand schon seit Monaten

Wenn dieser Mensch uns eines Tages tatsächlich schreibt, kommt die Nachricht nicht mehr von einem völlig Fremden.

Er hat uns gesehen. Er hat uns gelesen. Er hat bereits eine Vorstellung davon, wer wir sind.

Manchmal wird es auch umgekehrt sein. Wir haben einen natürlichen Grund, ihm zu schreiben.

Dann brauchen wir keine vorbereitete „Opening Message“, weil es bereits ein Gespräch gibt, das wir einfach fortsetzen.

Ein Gespräch beginnt nicht immer im Messenger. Oft ist der Messenger nur der Ort, an dem ein längst begonnenes Gespräch weitergeht.
IM NÄCHSTEN UNTERRICHT

Im nächsten Unterricht schauen wir uns die Kommentare ganz praktisch an. Denn es gibt einen großen Unterschied zwischen an einem Gespräch teilnehmen und kommentieren, um gesehen zu werden.