Was dürfen wir über Business, Einkommen und Ergebnisse sagen?
Unsere Arbeit zu zeigen ist eine Sache. Beim anderen Menschen eine Erwartung darüber zu erzeugen, was er erreichen wird, ist etwas völlig anderes. Bei Business Inhalten kann genau diese Grenze manchmal schon durch eine einzige Formulierung überschritten werden.
Bei Business Inhalten gibt es eine ganz ähnliche Grenze wie im vorherigen Unterricht.
Nur geht es diesmal nicht um ein gesundheitliches Ergebnis, sondern sehr schnell um ein finanzielles.
Und wieder geht es nicht nur um Facebook Regeln oder einzelne Wörter. Es geht auch darum, wie wir selbst arbeiten möchten.
Unser persönliches Profil sollte weder wie ein Produktkatalog noch wie eine Pinnwand voller Schecks, Ränge, Autos, Reisen und Erfolgsmeldungen aussehen.
Wenn jeder zweite Beitrag erklärt, wie viel man verdienen kann, wie schnell sich ein Business aufbauen lässt oder dass praktisch jeder damit erfolgreich werden kann, versteht der Mensch sehr schnell: Hier wird mir eine Möglichkeit angeboten.
Und wir haben erneut den wichtigsten Teil übersprungen.
Dieser Mensch kennt uns noch gar nicht. Er weiß nicht, wie wir arbeiten. Und er hat noch keinen Grund, uns zu vertrauen.
Wir können über unsere Arbeit sprechen, ohne ständig ein Business anzubieten
Arbeit ist ein Teil unseres Lebens. Wir müssen sie nicht verstecken.
Wir können von einem Gespräch erzählen, das uns zum Nachdenken gebracht hat.
Von etwas, das wir im Laufe der Jahre gelernt haben.
Von einem Fehler, den wir heute nicht mehr machen würden.
Wir können darüber sprechen, wie wir über Verkauf, Empfehlungen, Zusammenarbeit oder Teamaufbau denken.
Wir können auch über Freiheit, Verantwortung, schwierige Phasen und Entscheidungen sprechen, die mit einer eigenen Tätigkeit verbunden sind.
Was habe ich durch meine Arbeit gelernt?
Gedanken, Erfahrungen, Entscheidungen, Fehler, Beobachtungen und persönliche Entwicklung.
„Ich suche fünf motivierte Menschen“
Hier steht nicht mehr die Erfahrung im Mittelpunkt, sondern die direkte Suche nach neuen Partnern.
Ein Mensch, der unser Profil eine Weile verfolgt, versteht nach und nach, was wir tun und wie wir arbeiten.
Wenn ihm diese Art zu arbeiten gefällt, kann das Interesse auch von ihm selbst kommen.
Wir müssen ihn nicht in jedem Beitrag einladen.
Auch hier ist das Thema größer als die Business Möglichkeit
Nehmen wir an, wir möchten über zusätzliches Einkommen sprechen.
„Möchtest du mit deinem Handy 500 Euro zusätzlich im Monat verdienen?“
Damit stellen wir bereits ein konkretes finanzielles Ergebnis in den Raum und richten es direkt an den Menschen auf der anderen Seite.
Wir können aber auch bei der eigentlichen Frage hinter dem Thema beginnen.
Was bedeutet ein zweites Einkommen für eine Familie?
Warum suchen heute so viele Menschen nach etwas Zusätzlichlichem neben ihrem Hauptberuf?
Was verlangt es wirklich, neben Beruf und Familie eine eigene Tätigkeit aufzubauen?
Was haben wir uns am Anfang vorgestellt und was haben wir erst Jahre später verstanden?
Das sind Gespräche über Arbeit, Geld und Unternehmertum, die auch für jemanden interessant sein können, der niemals unser Partner wird.
Wenn wir die konkrete Business Möglichkeit aus dem Beitrag entfernen, bleibt dann noch etwas übrig, das sich zu lesen lohnt?
Ein persönlicher Erfolg ist kein Versprechen für das Einkommen eines anderen
Wenn wir einen bestimmten Rang erreicht, ein großes Team aufgebaut oder eine bestimmte Provision erhalten haben, ist das ein realer Teil unserer eigenen Geschichte.
Unser Ergebnis sagt aber nicht, was der nächste Mensch erreichen wird.
Im ersten Satz erzählen wir einen Fakt aus unserem eigenen Weg.
Im zweiten Satz machen wir daraus bereits eine Erwartung für jemand anderen.
Beim Einkommen gilt dasselbe.
Wenn jemand eine bestimmte Summe verdient hat, beweist das, dass genau dieser Mensch diese Summe verdient hat.
Es sagt nicht automatisch, wie einfach es war, wie lange er gearbeitet hat, mit welcher Erfahrung er gestartet ist oder welches Ergebnis ein anderer Mensch erreichen wird.
Deshalb braucht ein Business Ergebnis immer Kontext.
Eine wahre Zahl kann trotzdem ein falsches Bild vermitteln
Manchmal vermeiden wir bewusst Sätze wie „Du wirst verdienen“ und wählen stattdessen eine weichere Formulierung.
„Hier ist ein Einkommen von 5.000 Euro im Monat möglich.“
Formal haben wir nicht versprochen, dass jeder dieses Einkommen erreicht.
Wenn aber der gesamte Beitrag um diese eine Zahl aufgebaut ist, genau diese Zahl groß im Bild steht und genau diese Zahl im Gedächtnis bleibt, kann trotzdem eine unrealistische Erwartung entstehen.
Besonders vorsichtig mit „einfach“, „schnell“ und „jeder kann“
Ein gutes Konzept macht nicht automatisch jede Tätigkeit leicht.
Ein schneller Erfolg bei einer Person sagt nichts darüber, wie lange ein anderer brauchen wird.
Jeder kann vielleicht die Möglichkeit bekommen. Nicht jeder wird gleich arbeiten oder dasselbe Ergebnis erreichen.
Ein Business wird nicht automatisch leicht, nur weil das Konzept oder die Struktur gut ist.
Auch wenn jemand ohne vorherige Erfahrung beginnen kann, bedeutet das nicht, dass Ergebnisse ohne Lernen, Ausdauer, Gespräche, Ablehnung und Zeit entstehen.
Realistisch über Business zu sprechen, macht die Möglichkeit nicht weniger interessant.
Es bedeutet nur, dass Menschen mit einer besseren Vorstellung in ein Gespräch gehen.
Auch Lifestyle ist eine Form von Business Botschaft
Manchmal nehmen wir das gar nicht so wahr.
Ein Foto vom Strand mit dem Satz „Mein Büro heute“ kann einfach ein Ausschnitt aus dem Alltag sein.
Wenn wir aber ständig vermitteln, dass dieses Business automatisch Reisen, freie Zeit und ein Leben ohne Chef bedeutet, zeichnen wir bereits ein bestimmtes Bild des Ergebnisses.
Wenn ich heute von einem anderen Ort arbeite, ist das ein realer Teil meines Lebens.
Flexibilität bedeutet nicht keine Arbeit. Eigene Zeiteinteilung bedeutet nicht keine Verantwortung.
Wir müssen ein schönes Foto nicht mit langen Erklärungen über die schwierigen Seiten der Arbeit zerstören.
Wir sollten es nur nicht als Beweis dafür verwenden, dass jeder Mensch, der startet, denselben Lebensstil bekommen wird.
Ein außergewöhnlicher Erfolg ist nicht automatisch ein typisches Ergebnis
Unternehmen und Teams feiern ihre Erfolge.
Das ist vollkommen verständlich.
Jemand erreicht einen hohen Rang. Eine andere Person bekommt einen großen Bonus. Jemand anderes baut eine große Organisation auf.
Wenn wir solche Ergebnisse zeigen, sollten wir im Kopf behalten, dass der Mensch auf der anderen Seite vielleicht überhaupt nichts über die Geschichte dahinter weiß.
Der Erfolg selbst ist nicht das Problem.
Problematisch wird es, wenn ein außergewöhnliches Ergebnis so gezeigt wird, als würde es erklären, was normalerweise mit einem neuen Menschen passiert.
Ein kleiner Hinweis korrigiert keine unrealistische Darstellung
„Individuelle Ergebnisse können variieren“ macht aus einem großen Versprechen noch keine realistische Aussage.
Wenn ein Beitrag finanzielle Freiheit verspricht, eine große Summe zeigt und gleichzeitig vermittelt, dass dieses Ergebnis leicht erreichbar ist, verändert ein kleiner Hinweis am Ende nicht den Gesamteindruck.
Besser ist, wenn die eigentliche Botschaft realistisch formuliert ist.
Wenn jemand wirklich Interesse an der Möglichkeit hat, können wir erklären, wie das Modell funktioniert, wie Einkommen entstehen, welche Voraussetzungen gelten und was von der persönlichen Arbeit abhängt.
Wenn offizielle Informationen zu typischen Einkommen oder eine offizielle Einkommensoffenlegung vorhanden sind, ist das eine deutlich bessere Grundlage für ein realistisches Gespräch als einzelne spektakuläre Beispiele.
Die Geschichte hinter dem Ergebnis ist oft interessanter als das Ergebnis selbst
Wir dürfen uns über einen Rang, einen Bonus oder einen guten Monat freuen, ohne aus jedem solchen Moment einen Beweis dafür zu machen, wie großartig die Möglichkeit ist.
Oft ist die Geschichte hinter dem Ergebnis viel interessanter.
Was haben wir auf dem Weg gelernt?
Was haben wir anders gemacht?
Wo haben wir Fehler gemacht?
Was ist nicht so gelaufen, wie wir es erwartet hatten?
Dann zeigen wir nicht nur die Trophäe.
Wir geben dem Menschen etwas, das er verstehen und mit seinem eigenen Leben verbinden kann.
So würde ich einen Beitrag über Business, Einkommen oder Ergebnisse prüfen
Wenn ich ein Einkommen nenne, ist klar, wessen Ergebnis es ist und in welchem Kontext es erreicht wurde?
Erzähle ich von meinem Erfolg oder mache ich daraus unbewusst eine Erwartung für den nächsten Menschen?
Wenn ich einen fremden Erfolg zeige, weiß ich genug über die Geschichte dahinter?
Wenn ich über Freiheit, Flexibilität oder zusätzliches Einkommen spreche, vermittle ich, dass diese Dinge automatisch mit dem Start kommen?
Zeige ich einen außergewöhnlichen Erfolg so, als wäre er ein normales Ergebnis für neue Partner?
Wenn ich den Firmennamen, den Rang, die Summe und die Einladung zum Einstieg entferne: Bleibt dann noch eine Geschichte, ein Gedanke oder eine Beobachtung, die für sich selbst Wert hat?
Wenn etwas übrig bleibt, haben wir Inhalt.
Wenn ohne die Business Möglichkeit nichts mehr zu lesen bleibt, haben wir wahrscheinlich eine Rekrutierungsanzeige geschrieben und keinen Beitrag für unser persönliches Profil.
Ein Business Ergebnis darf sichtbar sein. Es sollte nur nicht zur Vorhersage für einen anderen Menschen werden.
Wir dürfen zeigen, was wir aufgebaut haben, was wir gelernt haben und was unsere Arbeit für unser eigenes Leben verändert hat.
Aber wir müssen daraus weder ein Versprechen noch eine allgemeine Erwartung machen.
Je realistischer wir darüber sprechen, desto klarer weiß ein Mensch, worüber er entscheidet, wenn er sich tatsächlich für unser Business interessiert.
Beginnen Sie mit der Arbeit, nicht mit der Business Möglichkeit
Wählen Sie ein Thema aus Ihrer eigenen Arbeit.
Beginnen Sie diesmal nicht mit der Firma, dem Vergütungsplan oder der Möglichkeit, Geld zu verdienen.
Schreiben Sie darüber einen Beitrag, der auch für jemanden Sinn ergibt, der niemals mit Ihnen arbeiten wird.
Lesen Sie ihn danach noch einmal.
Prüfen Sie, ob Sie irgendwo ein Ergebnis versprechen, das Sie nicht versprechen können.
Prüfen Sie auch, ob Sie einen eigenen oder fremden Erfolg so verwenden, als würde er zeigen, was jedem Menschen passieren wird.
Wenn der Beitrag etwas Echtes über Ihre Arbeit und über Sie erzählt, ohne dass der Mensch auf der anderen Seite sich sofort wie der nächste Kandidat für eine Anmeldung fühlt, dann sind wir sehr nah an der Art, wie wir in Social Media arbeiten möchten.
