SOCIAL MEDIA ACADEMY · UNTERMODUL 02 · LEKTION 09

Was die Verbreitung eines Beitrags begrenzen kann

Ein Beitrag läuft schlechter als erwartet und schnell entsteht der Gedanke: „Facebook hat mich eingeschränkt.“

Das kann vorkommen. Aber ein schwacher Beitrag ist noch kein Beweis dafür. Oft lohnt sich zuerst ein Blick auf das, was wir selbst beeinflussen können.

Wiederholungen Spamverhalten Versprechen Reaktionen Profilwirkung
PROFILANSICHT
PRODUKT
Schreib mir
ANGEBOT
Schreib mir
BUSINESS
Schreib mir
PRODUKT
Schreib mir
WAS FÄLLT AUF?
01

gleiche Struktur

02

gleiche Aufforderung

03

immer wieder Angebot

Menschen beginnen weiterzuscrollen
?
WENN EIN BEITRAG NICHT LÄUFT

Fast jeder, der regelmäßig auf Facebook veröffentlicht, kennt diese Situation.

Wir veröffentlichen einen Beitrag, erwarten ein gutes Ergebnis und einige Stunden später liegt die Reichweite deutlich unter dem, was wir normalerweise sehen.

„Facebook hat mich eingeschränkt.“

Dieser Gedanke kommt schnell. Bestimmte Inhalte oder Verhaltensweisen können tatsächlich dazu führen, dass Inhalte weniger verbreitet werden. Ein einzelner schwacher Beitrag beweist das aber noch nicht.

Manchmal ist die Erklärung viel einfacher

Vielleicht war das Thema diesmal einfach nicht interessant genug.

Vielleicht hat der Anfang die Aufmerksamkeit nicht gehalten.

Vielleicht haben die Menschen kaum darauf reagiert.

Oder der Beitrag war einfach nicht so gut, wie wir selbst gedacht haben.

Statt zu raten, ob Facebook uns „bestraft“ hat, ist es sinnvoller, zuerst zu prüfen, was wir selbst tun und womit wir uns manchmal das Leben schwerer machen.

Auch eigene Inhalte können irgendwann eintönig werden

Über kopierte Inhalte haben wir bereits ausführlich gesprochen. Darum müssen wir Lektion 7 hier nicht wiederholen.

Es gibt aber noch eine andere Gewohnheit, die wir uns ansehen sollten.

Wir können jeden Text selbst geschrieben haben und trotzdem feststellen, dass unsere Beiträge nach und nach immer ähnlicher werden.

01 Produkt

Vorteile erklären

Am Ende: „Schreib mir“
02 anderes Produkt

ähnlicher Aufbau

Am Ende: „Schreib mir“
03 Business

anderes Thema

Am Ende: „Schreib mir“
04 Aktion

wieder ein Angebot

Am Ende: „Schreib mir“

Jeder einzelne Beitrag kann für sich völlig in Ordnung sein.

Wenn jemand aber das Profil öffnet und zehn Beiträge dieser Art hintereinander sieht, verändert sich der Gesamteindruck.

Die Person versteht sehr schnell, was sie beim nächsten Beitrag erwartet, und beginnt weiterzuscrollen.

EIN WICHTIGER GEDANKE

Wenn Menschen einen bestimmten Inhalt regelmäßig überspringen, ist es wenig hilfreich, nur Facebook dafür verantwortlich zu machen, dass dieser Inhalt nicht stärker verbreitet wird.

Spam sieht nicht immer wie klassischer Spam aus

Beim Wort „Spam“ denken viele zuerst an eine kopierte private Nachricht, die an Dutzende fremde Menschen verschickt wird.

Aber unser Verhalten kann auch dann spamartig wirken, wenn wir genau das nicht tun.

01 Viele Gruppen

Derselbe Beitrag wird in kurzer Zeit in vielen Gruppen veröffentlicht.

02 Gleiche Kommentare

Unter verschiedenen Beiträgen stehen fast identische Kommentare.

03 Unnötiges Markieren

Menschen werden markiert, obwohl der Beitrag nichts mit ihnen zu tun hat.

04 Gruppen nur für Angebote

Wir erscheinen dort nur, wenn es ein Produkt, eine Aktion oder ein Event gibt.

05 Seriennachrichten

Derselbe Text wird nacheinander an viele Menschen geschickt.

Auch wenn eine Nachricht manuell verschickt wurde, wird sie dadurch nicht automatisch zu einem persönlichen Gespräch.

Dabei müssen wir nicht einmal zuerst überlegen, wie Facebook dieses Verhalten bewertet.

Wenn Menschen bei unserem Namen schon erwarten, dass gleich ein Angebot, eine Einladung oder ein Link kommt, haben wir bereits ein Problem.

Manchmal verändern wir einen guten Beitrag erst ganz am Ende

Das sieht man erstaunlich oft.

Man liest einen normalen Text. Es gibt eine Geschichte, einen Gedanken und etwas Interessantes.

Dann kommt der Schluss und plötzlich ändert sich der Ton.

SCHREIB MIR JETZT!
VERPASS DIESE MÖGLICHKEIT NICHT!
NUR NOCH 3 PLÄTZE!

Natürlich dürfen wir Menschen sagen, was sie tun können, wenn sie ein Thema interessiert.

Gibt es wirklich eine Frist, können wir sie nennen.

Möchten wir, dass jemand uns schreibt, können wir ihn dazu einladen.

Aber nicht jeder Beitrag muss mit einem Befehl enden.

KOMMANDO „SCHREIB MIR JETZT!“
NORMALE EINLADUNG „Wenn du mehr darüber wissen möchtest, schreib mir.“
Und manchmal braucht ein guter Beitrag am Ende überhaupt keine Aufforderung. Menschen wissen, wie man eine Nachricht schreibt.

Aufmerksamkeit ist nicht alles. Wir müssen auch hinter unseren Aussagen stehen können

Gerade in unserer Branche ist es leicht, in der Begeisterung für eine Möglichkeit oder ein Produkt zu weit zu gehen.

„Verdiene 2.000 Euro schon im ersten Monat.“
„Garantierte Ergebnisse.“
„Dieses Produkt funktioniert bei jedem.“
„Baue dir passives Einkommen ohne Aufwand auf.“

Hier geht es nicht nur darum, ob Facebook solche Aussagen mag.

Wir versprechen einem anderen Menschen ein bestimmtes Ergebnis.

Im Business können wir nicht wissen, welches Einkommen eine andere Person erreichen wird.

Das hängt unter anderem von ihrer Arbeit, ihren Fähigkeiten und der investierten Zeit ab.

Auch bei Produkten können wir nicht versprechen, dass jeder Mensch dasselbe Ergebnis erleben wird.

WAS WIR STATTdessen TUN KÖNNEN

Wir können erzählen, was wir selbst erreicht haben, was wir beobachtet haben oder welche Erfahrungen wir gemacht haben, solange klar bleibt, dass wir genau darüber sprechen.

Ein Kommentar ist nicht automatisch ein echtes Gespräch

Kommentare sind wertvoll. Darüber haben wir bereits gesprochen.

Ein echtes Gespräch kann einen Beitrag lange nach seiner Veröffentlichung lebendig halten.

Das bedeutet aber nicht, dass wir Menschen um jeden Preis zu irgendeiner Aktion bringen müssen.

„Schreib JA.“
„Hinterlasse ein ❤️.“
„Schreib 1, wenn du zustimmst.“
„Markiere drei Freunde.“

Solche Aufforderungen können Reaktionen erzeugen. Eine Reaktion allein ist aber noch kein Gespräch.

FRAGE MIT INHALT

„Was sorgt bei dir dafür, dass ein Kunde wiederkommt?“

Hier kann ein echtes Gespräch entstehen.
REAKTION SAMMELN

„Schreib JA, wenn Kunden wichtig sind.“

Was erfahren wir eigentlich aus dieser Antwort?
EINE GUTE SELBSTKONTROLLE

Stelle ich diese Frage, weil mich wirklich interessiert, was Menschen denken?

Oder möchte ich einfach noch ein paar Kommentare unter meinem Beitrag haben?
DER GESAMTE EINDRUCK

Ein persönliches Profil sollte nicht wie ein Firmenkatalog aussehen

Hier brauchen wir keine Formel wie: so viel Prozent persönlich, so viel Prozent Business.

Ein menschliches Profil entsteht nicht mit dem Taschenrechner.

Viel aussagekräftiger ist es, einfach die letzten zehn oder fünfzehn Beiträge anzusehen.

WENN FAST ALLES VERKAUFT
Produkt Aktion Firmenbild Einladung Produkt Angebot

Der Mensch sieht vor allem, was ihm angeboten wird.

WENN MAN AUCH DEN MENSCHEN ERKENNT
Erfahrung Meinung Business Alltag Beobachtung Humor

Arbeit bleibt sichtbar, aber sie gehört zu einem echten Menschen.

Das bedeutet nicht, dass wir plötzlich unser Frühstück fotografieren müssen, nur damit das Profil „persönlich“ wirkt.

Unsere Arbeit ist Teil unseres Lebens und darf selbstverständlich vorkommen.

Aber wir haben auch Meinungen, Beobachtungen, Erlebnisse, Humor, Dinge, die wir gelernt haben, und Situationen aus unserem Alltag.

Genau dadurch entsteht das Gefühl, dass hinter dem Profil ein Mensch steht und kein Schaufenster.

Wenn das sichtbar ist, werden auch Business Beiträge anders gelesen.

Dasselbe Angebot wird nicht interessanter, nur weil wir es fünfmal veröffentlichen

Es gibt ein neues Produkt oder eine gute Aktion.

Natürlich möchten wir, dass mehr Menschen davon erfahren.

Das bedeutet aber nicht, dass wir in den nächsten Tagen fast denselben Beitrag immer wieder veröffentlichen müssen.

01 Neuigkeit

Wir informieren, was neu ist.

02 Kundenfrage

Eine echte Frage eröffnet einen neuen Blickwinkel.

03 Eigene Erfahrung

Jetzt haben wir selbst etwas zu erzählen.

04 Erinnerung

Wenn die Aktion endet, ist ein Hinweis völlig normal.

So sprechen wir mehrmals über dasselbe Thema, ohne mehrmals denselben Beitrag zu veröffentlichen.

Ein schwacher Beitrag bedeutet nicht, dass Facebook Ihr Profil eingeschränkt hat

Das sollten wir ganz deutlich sagen.

Sie veröffentlichen einen Beitrag und die Reichweite ist schwach.

Das sagt uns zunächst fast gar nichts.

Der nächste Beitrag läuft ebenfalls nicht besonders gut.

Auch dann ist es noch zu früh, um daraus zu schließen, dass das Profil eingeschränkt wurde.

01

Gibt es andere Beiträge, die weiterhin gut laufen?

02

Auf welche Themen reagieren Menschen stärker?

03

Ist der Inhalt in letzter Zeit eintöniger geworden?

04

Ist die Sprache unbemerkt werblicher geworden?

05

Veröffentlichen Sie zu viele Dinge direkt hintereinander?

MANCHMAL IST DIE ANTWORT EINFACH

Vielleicht waren diese zwei Beiträge einfach nicht interessant genug.

Wir müssen nicht sofort nach einer Strafe suchen, wenn ein Inhalt diesmal einfach nicht funktioniert hat.

Schon der nächste Beitrag gibt uns die Möglichkeit, etwas anders zu machen.

PRAKTISCHE PRÜFUNG

Sehen Sie Ihr Profil einmal mit fremden Augen

Ein einzelner Beitrag zeigt oft noch nicht viel.

Die letzten zehn oder fünfzehn Beiträge erzählen bereits eine ganze Menge.

Schauen Sie sie gemeinsam an. Sie müssen nicht zählen, wie viele davon persönlich und wie viele geschäftlich sind.

Achten Sie nur darauf, welchen Eindruck das Ganze hinterlässt.

01

Wenn ich dieses Profil heute zum ersten Mal sehen würde, hätte ich einen Grund, hier zu bleiben?

02

Erfahre ich etwas über den Menschen oder sehe ich hauptsächlich, was er verkauft?

03

Wiederholen sich dieselben Themen, Bilder und Formulierungen?

04

Endet fast jeder Beitrag mit „Schreib mir“?

05

Gibt es Inhalte, die ich gern lesen würde, auch wenn ich gerade überhaupt nichts kaufen möchte?

Wenn Ihnen das Bild nicht gefällt, müssen Sie nicht anfangen, alte Beiträge zu löschen. Sie wissen jetzt einfach, was Sie beim nächsten Beitrag anders machen können.
KI
PRAKTISCHE HILFE MIT KI

Geben Sie der KI nicht nur einen Beitrag, sondern gleich mehrere

Meta AI oder ChatGPT können hier besonders hilfreich sein.

Wenn mehrere Beiträge nebeneinander betrachtet werden, fallen Wiederholungen auf, die wir selbst oft gar nicht mehr bemerken.

01
PROMPT · PROFILANALYSE Betrachte mein Profil wie jemand, der es zum ersten Mal sieht
Ich gebe dir meine letzten 10 Facebook Beiträge. Schreibe sie nicht um. Lies sie zusammen und sage mir, welchen Eindruck mein Profil auf einen Menschen macht, der mich noch nicht kennt. Prüfe dabei besonders: Ob ich dieselben Themen, Formulierungen, Aufforderungen oder Angebote häufig wiederhole. Ob Business und Produkte inzwischen zu stark dominieren. Ob einige Beiträge wie Werbung oder Spam wirken. Ob es genügend Gründe gibt, meinem Profil zu folgen, auch wenn jemand im Moment nichts von mir kaufen möchte. Zeige mir konkrete Beispiele aus meinen Beiträgen, damit ich nachvollziehen kann, was du meinst. Schlage mir danach vor, was ich bei meinen nächsten 5 Beiträgen verändern könnte. Schreibe diese Beiträge nicht für mich. Schlage mir auch keine künstlichen privaten Inhalte vor, nur damit das Profil abwechslungsreicher aussieht. Hier sind meine letzten Beiträge: [TEXTE EINFÜGEN]
WENN DIE REICHWEITE SINKT

Schauen Sie zuerst auf das, was Sie selbst beeinflussen können

Wir können nicht bestimmen, wie Facebook jeden einzelnen Beitrag verteilt.

Und wir können nicht hinter jeder Zahl in den Statistiken sehen, was genau passiert ist.

Aber wir können unseren eigenen Anteil betrachten.

Ist mein Inhalt zu eintönig geworden?
Verwende ich zu viele fertige Materialien?
Wird aus jedem Gespräch irgendwann ein Angebot?
Mache ich Versprechen, hinter denen ich nicht stehen kann?
Versuche ich, künstlich Reaktionen zu sammeln?
Sieht mein Profil noch nach einem Menschen aus?

Wenn wir dort etwas entdecken, können wir es verändern.

Und wenn einfach zwei Beiträge nicht funktioniert haben, dann dürfen es auch einfach zwei Beiträge sein, die nicht funktioniert haben.

Nicht jeder Beitrag muss erfolgreich sein. Der nächste ist eine neue Veröffentlichung und eine neue Möglichkeit, etwas besser zu machen.
IN DER NÄCHSTEN LEKTION

Rund um das Veröffentlichen gibt es noch einige kleine Entscheidungen, über die wir oft kaum nachdenken.

Wo platzieren wir einen Link, wenn wir Menschen auf eine Website schicken möchten? Teilen wir einen fremden Beitrag oder erstellen wir einen eigenen? Wie gehen wir mit YouTube Links und anderen externen Seiten um?

Genau darum geht es in Lektion 10: Links, geteilte Inhalte und kleine Entscheidungen, die das Ergebnis verändern können.