Persönlich sein heißt nicht privat sein
Ein menschliches Profil bedeutet nicht, dass wir immer mehr aus unserem Privatleben zeigen müssen.
Persönlichkeit kann sichtbar sein, ohne dass Familie, Beziehungen, Zuhause oder sehr private Erlebnisse öffentlich werden.
Nach mehreren Lektionen über ein menschliches Profil, natürliche Inhalte und persönliche Präsenz kann leicht ein falscher Eindruck entstehen.
Vielleicht denken wir: Wenn Menschen mich kennenlernen sollen, muss ich mehr aus meinem Privatleben zeigen.
Ein persönliches Profil ist keine Einladung für jeden Menschen auf Facebook, in unser Zuhause, unsere Beziehungen, unsere Familie oder andere private Bereiche hineinzusehen.
Persönlich und privat sind nicht dasselbe
Persönlich zu sein bedeutet, dass ein Mensch nach und nach etwas von Ihnen erkennen kann.
Ihre Sicht auf ein Thema, eine Meinung, etwas, das Sie beeindruckt, geärgert oder zum Nachdenken gebracht hat, kann sehr persönlich sein.
Dafür muss niemand wissen, mit wem Sie zusammenleben, wo Ihre Kinder zur Schule gehen, wie Ihr Zuhause aussieht oder was in Ihren Beziehungen passiert.
Wir können vollkommen echt sein und gleichzeitig klare Grenzen haben.
Sie müssen Ihr Leben nicht in Inhalte verwandeln
Soziale Medien können manchmal das seltsame Gefühl erzeugen, dass etwas automatisch zu einem Beitrag wird, sobald es interessant genug war.
Darf einfach ein schöner Tag bleiben.
Darf erlebt werden, ohne fotografiert zu werden.
Darf zuerst nur Ihnen gehören.
Nicht alles, was zu unserem Leben gehört, muss auch Teil unseres öffentlichen Profils werden.
Facebook ist kein Gespräch in der eigenen Küche. Ein Beitrag, den wir heute für bekannte Menschen schreiben, kann Monate später von völlig fremden Menschen gelesen werden.
Ihre Familie ist kein Werkzeug, um Vertrauen aufzubauen
Wenn Ihr Partner, Ihre Kinder oder andere Menschen aus Ihrem Umfeld gerne in Ihrem Profil vorkommen und das natürlich zu Ihnen gehört, ist das vollkommen in Ordnung.
Sie müssen sie aber nicht zeigen, nur weil jemand behauptet, Familienbilder würden Vertrauen schaffen.
Andere Menschen haben ebenfalls das Recht zu entscheiden, wie sichtbar sie öffentlich sein möchten.
Eine Aufnahme kann für Sie völlig harmlos wirken, während die andere Person sie nicht öffentlich sehen möchte.
Bei Kindern ist besondere Aufmerksamkeit sinnvoll, weil Erwachsene häufig entscheiden, was öffentlich sichtbar wird, obwohl das Kind diese Entscheidung selbst noch gar nicht treffen kann.
Sie können eine persönliche Geschichte erzählen, ohne alles zu erzählen
Eine persönliche Geschichte kann ein wunderbarer Beitrag sein.
Besonders dann, wenn ein Erlebnis etwas in uns verändert, uns zu einer Entscheidung geführt oder uns etwas Wichtiges gezeigt hat.
Dafür sind nicht automatisch alle Einzelheiten notwendig.
Vielleicht liegt der wichtige Teil in Ihrer eigenen Veränderung und nicht in den Namen, Handlungen oder privaten Informationen anderer Menschen.
Manchmal wird eine Geschichte sogar stärker, wenn unnötige Details verschwinden. Dann bleibt das Erlebnis und das, was Sie wirklich sagen möchten.
Auch ein professionelles Thema kann sehr persönlich sein
Persönlicher Inhalt bedeutet nicht automatisch, dass wir über Freizeit oder Familie schreiben.
Auch die Art, wie wir über unsere Arbeit sprechen, kann sehr viel über uns zeigen.
Sie können erzählen, warum Sie Ihren Umgang mit Kunden verändert haben, was Sie nach einem Gespräch verstanden haben oder was Sie heute nicht mehr so machen würden wie früher.
Auch ein Fehler und das, was Sie daraus gelernt haben, kann viel persönlicher wirken als ein Beitrag, den Sie künstlich als „persönlich“ planen.
Sie müssen kein Drama erzählen, um echt zu wirken
In sozialen Medien wird häufig über Verletzlichkeit gesprochen und darüber, wie stark sie Menschen verbinden kann.
Ja, ein offener Beitrag kann manchmal große menschliche Nähe schaffen.
Daraus folgt aber nicht, dass wir unsere schmerzhaftesten Erfahrungen öffentlich machen müssen, um authentisch zu wirken.
Vielleicht kann die Geschichte heute ruhig erzählt werden.
Dann darf der Beitrag noch warten.
Ihre persönlichen Grenzen dürfen sich verändern
Vielleicht haben Sie früher viel mehr aus Ihrem Privatleben gezeigt und möchten das heute nicht mehr.
Vielleicht ist es genau umgekehrt und Sie sprechen heute offener über bestimmte Themen.
Beides ist normal.
Sie haben keinen Vertrag mit Facebook, der Sie verpflichtet, online für immer dieselbe Person zu bleiben.
Was früher völlig selbstverständlich öffentlich war, kann heute nur noch Ihnen gehören.
Ein einfacher Orientierungspunkt vor einem persönlichen Beitrag
Nicht: Wie viele Reaktionen wird das bekommen?
Wenn andere Menschen vorkommen, betrachten Sie den Text auch aus ihrer Sicht.
Dann kann eine Nacht Abstand sehr hilfreich sein.
Am nächsten Morgen erkennen wir oft viel leichter, was wir wirklich sagen möchten und was nur geschrieben werden musste.
KI kann helfen, den Kern zu behalten, ohne zu viel preiszugeben
Meta AI oder ChatGPT können bei der Bearbeitung einer persönlichen Geschichte sehr hilfreich sein.
Besonders dann, wenn der Text bereits geschrieben ist und Sie unsicher sind, ob darin zu viele persönliche Details von Ihnen oder von anderen Menschen vorkommen.
Statt einfach zu sagen: „Mach den Text besser“, nutzen wir KI zuerst als zweites Paar Augen.
Persönliche Geschichte prüfen
Definieren Sie Ihre eigenen Grenzen
Schauen Sie noch einmal auf Ihre letzten öffentlichen Beiträge.
Diesmal analysieren Sie nicht Business oder Themen, wie wir es in der vorherigen Lektion gemacht haben.
Schauen Sie nur darauf, welche persönlichen Informationen Sie öffentlich hinterlassen.
Vielleicht entdecken Sie etwas, das Sie heute nicht mehr auf dieselbe Weise veröffentlichen würden.
Vielleicht sehen Sie, dass andere Menschen häufig auf Ihren Bildern erscheinen, ohne dass Sie je gefragt haben, ob das für sie in Ordnung ist.
Oder Sie stellen fest, dass Sie mehr Informationen über Zuhause, Aufenthaltsort, Familie oder Alltag zeigen, als Sie eigentlich möchten.
Schreiben Sie sich zwei oder drei persönliche Grenzen auf, die genau für Sie wichtig sind.
Ein Mensch zeigt seine Familie gern. Ein anderer möchte das überhaupt nicht.
Manche sprechen offen über schwierige Lebensphasen. Andere möchten solche Themen vollständig außerhalb von Facebook lassen.
Wir müssen nicht alle bei derselben Antwort landen.
Wenn wir später intensiver mit Ihren Inhalten arbeiten, werden Ihre eigenen Grenzen Ihnen sehr viel Unsicherheit ersparen. Sie müssen dann nicht ständig überlegen, ob etwas „persönlich genug“ ist.
