SOCIAL MEDIA · UNTERMODUL 01 · LEKTION 08

Persönlich sein heißt nicht privat sein

Ein menschliches Profil bedeutet nicht, dass wir immer mehr aus unserem Privatleben zeigen müssen.

Persönlichkeit kann sichtbar sein, ohne dass Familie, Beziehungen, Zuhause oder sehr private Erlebnisse öffentlich werden.

Persönlichkeit Grenzen Privatsphäre
ÖFFENTLICH
PERSÖNLICH
PRIVAT
Was möchte ich zeigen?
Was bleibt bei mir?
Wo liegt meine Grenze?

Nach mehreren Lektionen über ein menschliches Profil, natürliche Inhalte und persönliche Präsenz kann leicht ein falscher Eindruck entstehen.

Vielleicht denken wir: Wenn Menschen mich kennenlernen sollen, muss ich mehr aus meinem Privatleben zeigen.

Nein. Das ist nicht notwendig.

Ein persönliches Profil ist keine Einladung für jeden Menschen auf Facebook, in unser Zuhause, unsere Beziehungen, unsere Familie oder andere private Bereiche hineinzusehen.

ZWEI VERSCHIEDENE DINGE

Persönlich und privat sind nicht dasselbe

Persönlich zu sein bedeutet, dass ein Mensch nach und nach etwas von Ihnen erkennen kann.

PERSÖNLICH
Meinung Humor Erfahrung Beobachtung Werte Interessen
PRIVAT
Beziehungen Kinder Zuhause Familie Adresse private Konflikte

Ihre Sicht auf ein Thema, eine Meinung, etwas, das Sie beeindruckt, geärgert oder zum Nachdenken gebracht hat, kann sehr persönlich sein.

Dafür muss niemand wissen, mit wem Sie zusammenleben, wo Ihre Kinder zur Schule gehen, wie Ihr Zuhause aussieht oder was in Ihren Beziehungen passiert.

Authentizität misst sich nicht an der Menge persönlicher Informationen, die wir veröffentlicht haben.

Wir können vollkommen echt sein und gleichzeitig klare Grenzen haben.

NICHT JEDER MOMENT MUSS ÖFFENTLICH WERDEN

Sie müssen Ihr Leben nicht in Inhalte verwandeln

Soziale Medien können manchmal das seltsame Gefühl erzeugen, dass etwas automatisch zu einem Beitrag wird, sobald es interessant genug war.

Ein schöner Tag

Darf einfach ein schöner Tag bleiben.

Ein besonderer Ort

Darf erlebt werden, ohne fotografiert zu werden.

Eine große Veränderung

Darf zuerst nur Ihnen gehören.

Nicht alles, was zu unserem Leben gehört, muss auch Teil unseres öffentlichen Profils werden.

Wären Sie auch noch in einigen Monaten damit zufrieden, dass diese Information öffentlich sichtbar ist?

Facebook ist kein Gespräch in der eigenen Küche. Ein Beitrag, den wir heute für bekannte Menschen schreiben, kann Monate später von völlig fremden Menschen gelesen werden.

FAMILIE IST KEINE MARKETINGSTRATEGIE

Ihre Familie ist kein Werkzeug, um Vertrauen aufzubauen

Wenn Ihr Partner, Ihre Kinder oder andere Menschen aus Ihrem Umfeld gerne in Ihrem Profil vorkommen und das natürlich zu Ihnen gehört, ist das vollkommen in Ordnung.

Sie müssen sie aber nicht zeigen, nur weil jemand behauptet, Familienbilder würden Vertrauen schaffen.

Andere Menschen haben ebenfalls das Recht zu entscheiden, wie sichtbar sie öffentlich sein möchten.

Eine Aufnahme kann für Sie völlig harmlos wirken, während die andere Person sie nicht öffentlich sehen möchte.

Bei Kindern ist besondere Aufmerksamkeit sinnvoll, weil Erwachsene häufig entscheiden, was öffentlich sichtbar wird, obwohl das Kind diese Entscheidung selbst noch gar nicht treffen kann.

Menschen, die uns nahestehen, sind kein Beweis für unser Publikum, dass wir „echte Menschen“ sind.
DIE GESCHICHTE BEHALTEN · DETAILS REDUZIEREN

Sie können eine persönliche Geschichte erzählen, ohne alles zu erzählen

ALLES ERZÄHLEN
Name Ort Beziehung Details
DEN KERN BEHALTEN
Was habe ich erlebt? Was hat sich für mich verändert? Was möchte ich daraus teilen?

Eine persönliche Geschichte kann ein wunderbarer Beitrag sein.

Besonders dann, wenn ein Erlebnis etwas in uns verändert, uns zu einer Entscheidung geführt oder uns etwas Wichtiges gezeigt hat.

Dafür sind nicht automatisch alle Einzelheiten notwendig.

Vielleicht liegt der wichtige Teil in Ihrer eigenen Veränderung und nicht in den Namen, Handlungen oder privaten Informationen anderer Menschen.

Eine Situation kann auch uns gehören. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass uns jede fremde Seite dieser Geschichte gehört.

Manchmal wird eine Geschichte sogar stärker, wenn unnötige Details verschwinden. Dann bleibt das Erlebnis und das, was Sie wirklich sagen möchten.

ARBEIT
Was habe ich verändert?
Was habe ich gelernt?
Was würde ich heute anders machen?
AUCH ARBEIT ZEIGT PERSÖNLICHKEIT

Auch ein professionelles Thema kann sehr persönlich sein

Persönlicher Inhalt bedeutet nicht automatisch, dass wir über Freizeit oder Familie schreiben.

Auch die Art, wie wir über unsere Arbeit sprechen, kann sehr viel über uns zeigen.

Sie können erzählen, warum Sie Ihren Umgang mit Kunden verändert haben, was Sie nach einem Gespräch verstanden haben oder was Sie heute nicht mehr so machen würden wie früher.

Auch ein Fehler und das, was Sie daraus gelernt haben, kann viel persönlicher wirken als ein Beitrag, den Sie künstlich als „persönlich“ planen.

Das Thema bleibt professionell. Der Mensch dahinter wird trotzdem sichtbar.
OFFENHEIT HAT KEINE PFLICHT

Sie müssen kein Drama erzählen, um echt zu wirken

In sozialen Medien wird häufig über Verletzlichkeit gesprochen und darüber, wie stark sie Menschen verbinden kann.

Ja, ein offener Beitrag kann manchmal große menschliche Nähe schaffen.

Daraus folgt aber nicht, dass wir unsere schmerzhaftesten Erfahrungen öffentlich machen müssen, um authentisch zu wirken.

VERARBEITET
Ich weiß, warum ich darüber sprechen möchte.

Vielleicht kann die Geschichte heute ruhig erzählt werden.

NOCH MITTENDRIN
Ich weiß selbst noch nicht, wie ich darüber denke.

Dann darf der Beitrag noch warten.

Manche Dinge müssen zuerst erlebt werden, bevor sie veröffentlicht werden.
FRÜHER
HEUTE
SPÄTER
GRENZEN DÜRFEN SICH BEWEGEN

Ihre persönlichen Grenzen dürfen sich verändern

Vielleicht haben Sie früher viel mehr aus Ihrem Privatleben gezeigt und möchten das heute nicht mehr.

Vielleicht ist es genau umgekehrt und Sie sprechen heute offener über bestimmte Themen.

Beides ist normal.

Sie haben keinen Vertrag mit Facebook, der Sie verpflichtet, online für immer dieselbe Person zu bleiben.

Was früher völlig selbstverständlich öffentlich war, kann heute nur noch Ihnen gehören.

Eine persönliche Grenze wird nicht einmal festgelegt und bleibt dann für immer gleich. Sie bewegt sich mit uns.
EIN KURZER CHECK VOR DEM VERÖFFENTLICHEN

Ein einfacher Orientierungspunkt vor einem persönlichen Beitrag

01
Bin ich damit auch später noch ruhig?

Nicht: Wie viele Reaktionen wird das bekommen?

02
Gehört die ganze Geschichte wirklich mir?

Wenn andere Menschen vorkommen, betrachten Sie den Text auch aus ihrer Sicht.

03
Schreibe ich gerade aus einer starken Emotion?

Dann kann eine Nacht Abstand sehr hilfreich sein.

Manchmal ist „Entwurf speichern“ der beste Redakteur.

Am nächsten Morgen erkennen wir oft viel leichter, was wir wirklich sagen möchten und was nur geschrieben werden musste.

KI
DEN SINN BEHALTEN · DETAILS PRÜFEN

KI kann helfen, den Kern zu behalten, ohne zu viel preiszugeben

Meta AI oder ChatGPT können bei der Bearbeitung einer persönlichen Geschichte sehr hilfreich sein.

Besonders dann, wenn der Text bereits geschrieben ist und Sie unsicher sind, ob darin zu viele persönliche Details von Ihnen oder von anderen Menschen vorkommen.

Statt einfach zu sagen: „Mach den Text besser“, nutzen wir KI zuerst als zweites Paar Augen.

PROMPT · ANWEISUNG AN DIE KI

Persönliche Geschichte prüfen

Ich gebe dir gleich den Entwurf eines Facebook Beitrags, der auf einer echten persönlichen Erfahrung von mir basiert. Ich möchte den menschlichen Kern und meine eigene Art zu schreiben behalten. Gleichzeitig möchte ich prüfen, ob ich mehr persönliche Informationen preisgebe, als für die Geschichte notwendig ist. Schreibe den Text zunächst nicht um. Zeige mir zuerst, welche Stellen persönliche Informationen über mich oder andere Menschen enthalten, die für das Verständnis der eigentlichen Geschichte nicht notwendig sind. Zeige mir auch, an welchen Stellen ich die Erfahrung behalten könnte, aber allgemeiner formulieren kann, ohne Namen, Beziehungen, Orte oder unnötige Einzelheiten zu nennen. Entferne nicht die Emotion aus dem Text und mache daraus keinen unpersönlichen Beitrag. Mein Ziel ist, dass der Text weiterhin nach mir klingt, während ich gleichzeitig meine eigenen persönlichen Grenzen und die Grenzen anderer Menschen respektiere. Frage mich nach deiner Analyse, welche Stellen wir gemeinsam bearbeiten sollen.
Das ist wesentlich sinnvoller, als KI eine „emotionale persönliche Geschichte“ erfinden zu lassen, die uns nie passiert ist.
BEVOR SIE WEITERMACHEN

Definieren Sie Ihre eigenen Grenzen

Schauen Sie noch einmal auf Ihre letzten öffentlichen Beiträge.

Diesmal analysieren Sie nicht Business oder Themen, wie wir es in der vorherigen Lektion gemacht haben.

Schauen Sie nur darauf, welche persönlichen Informationen Sie öffentlich hinterlassen.

Vielleicht entdecken Sie etwas, das Sie heute nicht mehr auf dieselbe Weise veröffentlichen würden.

Vielleicht sehen Sie, dass andere Menschen häufig auf Ihren Bildern erscheinen, ohne dass Sie je gefragt haben, ob das für sie in Ordnung ist.

Oder Sie stellen fest, dass Sie mehr Informationen über Zuhause, Aufenthaltsort, Familie oder Alltag zeigen, als Sie eigentlich möchten.

Dieses Übung bedeutet nicht, dass Sie jetzt die Hälfte Ihres Profils löschen sollen. Wichtiger ist, dass Sie wissen, wie Sie es von jetzt an handhaben möchten.
01 Was möchte ich ohne Bedenken öffentlich lassen?
02 Was soll lieber nur für Menschen bleiben, die mir nahestehen?
03 Welche Geschichten anderer Menschen gehören nicht mir?
04 Was würde ich in einem stark emotionalen Moment lieber nicht sofort veröffentlichen?

Schreiben Sie sich zwei oder drei persönliche Grenzen auf, die genau für Sie wichtig sind.

Ein Mensch zeigt seine Familie gern. Ein anderer möchte das überhaupt nicht.

Manche sprechen offen über schwierige Lebensphasen. Andere möchten solche Themen vollständig außerhalb von Facebook lassen.

Wir müssen nicht alle bei derselben Antwort landen.

Wenn wir später intensiver mit Ihren Inhalten arbeiten, werden Ihre eigenen Grenzen Ihnen sehr viel Unsicherheit ersparen. Sie müssen dann nicht ständig überlegen, ob etwas „persönlich genug“ ist.