UNTERMODUL 07 · LEKTION 03

Erzählen statt werben

Eine Geschichte kann unser Business sichtbar machen, ohne dass wir schon beim ersten Satz wissen müssen, welches Produkt oder welches Angebot am Ende darin auftauchen soll.

DER ANFANG „Heute hatte ich ein wirklich interessantes Gespräch...“
DIE GESCHICHTE Ein echter Moment, ein Gedanke, eine Erfahrung...
UND DANN? Produkt. Business. „Schreib mir.“
War das noch eine Geschichte oder schon Werbung?

Es gibt eine Art von Facebook-Beiträgen, die Sie bestimmt schon hundertmal gesehen haben. Sie beginnen sehr vielversprechend.

ZUM BEISPIEL

„Heute hatte ich ein unglaubliches Gespräch...“

Ich lese normalerweise weiter, weil ich wissen möchte, was passiert ist. Aber irgendwo in der Mitte ahne ich plötzlich, wohin die Reise geht.

Und tatsächlich: Ein paar Sätze später kommt das Produkt, die Business-Möglichkeit oder das unvermeidliche „Wenn du auch etwas verändern möchtest, schreib mir.“ 😄

Moment mal. War das gerade eine Geschichte oder Werbung, die sich nur als Geschichte verkleidet hat?

Genau darum geht es in dieser Lektion. Nicht um komplizierte Storytelling-Techniken. Nicht um feste Formeln mit Einstieg, Problem, Lösung und Handlungsaufforderung.

Wir schauen uns etwas viel Praktischeres an: Wie kann aus einer ganz normalen Situation in unserem Network Marketing Business ein guter Beitrag entstehen, ohne dass wir vorher schon entschieden haben, was wir damit verkaufen wollen?

Genau dort liegt oft der Unterschied. Nicht beim Produkt. Und auch nicht darin, dass wir Kunden oder Partner gewinnen möchten. Natürlich möchten wir das. Sonst würden wir kein Business aufbauen.

Schwierig wird es, wenn wir schon vor dem ersten Satz wissen, an welchem Punkt der Leser am Ende landen soll.

EIN GANZ NORMALER MOMENT

Die Geschichte war eigentlich schon da

EINE PARTNERIN SAGT
„Ich kann solche Dinge nicht veröffentlichen. Was werden die Leute von mir denken?“

Das ist ein großartiger Moment für eine Geschichte. Denn fast jeder, der irgendwann mit Network Marketing begonnen hat, kennt dieses Gefühl.

Vielleicht erinnert es uns sofort an unsere ersten eigenen Beiträge. An die Unsicherheit davor. Und an diese wunderbare Beschäftigung danach: alle fünf Minuten nachzusehen, wer schon reagiert hat. 😂

Allein darin steckt bereits eine persönliche und nachvollziehbare Geschichte.

× WAS WIR OFT DARAUS MACHEN
„Viele Menschen haben Angst anzufangen, weil sie sich Sorgen machen, was andere über sie denken. Aber Erfolg beginnt außerhalb der Komfortzone. Wenn du auch dein Leben verändern und Teil eines unterstützenden Teams werden möchtest, schreib mir.“
Und fertig. Wir haben die Geschichte gerade erfolgreich erledigt. 😂

Dabei war die eigentliche Geschichte viel interessanter

Wir hätten einfach von diesem Gespräch erzählen können. Davon, warum es uns an unseren eigenen Anfang erinnert hat. Was wir damals gedacht haben. Worüber wir uns Sorgen gemacht haben. Was wir unserem früheren Ich heute sagen würden.

Vielleicht gibt es sogar heute noch Situationen, in denen wir ähnlich reagieren.

01 Was ist passiert?
02 Woran hat es mich erinnert?
03 Was dachte ich damals?
04 Wie sehe ich es heute?
DER ENTSCHEIDENDE UNTERSCHIED
WERBUNG Wir sagen es.
GESCHICHTE Der Mensch sieht es.
Wir mussten nicht schreiben: „In meinem Team unterstütze ich neue Partner.“ Der Leser hat es bereits gesehen. Er weiß, dass wir mit Partnern arbeiten, mit ihnen sprechen und ihre Unsicherheiten kennen.
DASSELBE GILT FÜR PRODUKTE

Zeigen Sie nicht nur das Produkt. Zeigen Sie das Leben darum herum.

DIE KLASSISCHE VARIANTE

Tasse, Produkt, schönes Licht

Darunter beginnt der Text: „Ich kann mir meinen Morgen ohne ... nicht mehr vorstellen.“

Danach kommen Inhaltsstoffe, Technologie, Vorteile und am Ende vielleicht noch der Preis.

Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Manchmal möchten wir ganz bewusst einen Produktbeitrag machen.

Wenn aber jeder Morgen so aussieht, wissen die Menschen irgendwann schon, was kommt, bevor sie überhaupt auf „Mehr anzeigen“ klicken.

DAS LEBEN RUND UM DAS PRODUKT

Genau dort stecken oft die besseren Geschichten

Rund um dasselbe Produkt können ganz normale Situationen entstehen.

Ihr Mann greift ständig danach und plötzlich ist Ihre Packung mysteriöserweise doppelt so schnell leer. 😄
Sie haben es auf einer Reise vergessen und merken es erst, als Sie schon unterwegs sind.
Beim ersten Mal waren Sie überzeugt, dass es furchtbar schmecken wird und haben sich innerlich darauf vorbereitet, es eben „für die Gesundheit“ zu trinken. 😂
Das Produkt muss dabei nicht versteckt werden. Es darf Teil der Geschichte sein. Aber die Geschichte sollte nicht nur erfunden werden, um uns irgendwie zum Produkt zu bringen.
EIN NEUER BLICK AUF DEN ALLTAG

Denken Sie nicht sofort: „Daraus könnte ich einen Beitrag machen.“

Wenn im Laufe des Tages etwas passiert, gibt es eine viel interessantere Frage.

„Warum ist mir genau das im Kopf geblieben?“

Genau dort versteckt sich sehr oft die eigentliche Geschichte.

Ein Kunde stellt eine Frage, die Sie diese Woche schon zum fünften Mal hören.
Eine neue Partnerin sagt etwas, das Sie vor einigen Jahren selbst gedacht haben.
In einer Schulung hören Sie einen Satz, mit dem Sie überhaupt nicht einverstanden sind.
Sie machen einen Fehler und merken erst später, was eigentlich schiefgelaufen ist.
Etwas ärgert Sie oder bringt Sie plötzlich zum Lachen.
Etwas, das für Sie völlig selbstverständlich war, ist für einen anderen Menschen überhaupt nicht selbstverständlich.

Erzählen Sie es ganz normal

Nicht jede Geschichte braucht einen dramatischen Anfang wie „Diesen Tag werde ich niemals vergessen...“, wenn dieser unvergessliche Tag letzten Donnerstag war. 😂

Je normaler wir erzählen, desto natürlicher wirkt es.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit jemandem bei einem Kaffee und sagen: „Weißt du, was mir heute passiert ist?“

Genau das ist der Ton.

STOP

Und dann kommt die Kunst, rechtzeitig aufzuhören

Viele gute Beiträge werden genau am Ende schwächer. Die Geschichte ist fertig. Der Leser hat verstanden, worum es geht.

Aber wir möchten ganz sicher sein, dass er es auch wirklich richtig verstanden hat. Also hängen wir noch etwas an.

die Moral noch eine Moral etwas über Träume die Komfortzone „Wenn du auch...“

Das ist nicht nötig. Manchmal reicht ein gutes letztes Wort. Manchmal eine Frage. Und manchmal braucht die Geschichte überhaupt keinen zusätzlichen Abschluss.

DER KLEINE TEST

Nehmen Sie die Einladung am Ende einmal weg

Schauen Sie sich Ihren nächsten Beitrag an. Falls er mit einem dieser Sätze endet, entfernen Sie ihn für einen Moment.

„Schreib mir.“ „Wenn du auch möchtest...“ „Melde dich bei mir.“
01 Entfernen Sie die letzten Sätze.
02 Lesen Sie den Beitrag noch einmal.
03 Ist er auch ohne Angebot interessant?
Wenn ja, wunderbar. Dann können Sie bewusst entscheiden, ob die Einladung wirklich wieder hinein soll. Wenn ohne die letzten Sätze nur ein langer Weg bis zum Angebot übrig bleibt, war es wahrscheinlich keine Geschichte. Es war Werbung mit Perücke. 😂
EINE WICHTIGE UNTERSCHEIDUNG

Direkte Werbung ist nicht das Problem

Es gibt nichts gegen Werbung. Und auch nichts gegen ein direktes Angebot.

Es gibt Situationen, in denen es viel besser ist, klar zu sagen, was wir anbieten, statt eine halbe Seite darum herumzureden.

Aber wenn wir erzählen, dann lassen wir die Geschichte auch wirklich eine Geschichte sein.
ZUM ABSCHLUSS

Uns fehlen keine Geschichten

In unserem Business begegnen uns jeden Tag Menschen, Fragen, Situationen, Fehler, kleine Erfolge, merkwürdige Gespräche und Momente, über die wir selbst lachen müssen.

Geschichten fehlen uns also nicht. Wir haben uns nur daran gewöhnt, Inhalte im Produktkatalog oder in den Neuigkeiten des Unternehmens zu suchen, statt in unserem eigenen Tag.

Sobald wir anfangen, diese kleinen Momente wahrzunehmen, wird vieles leichter. Dann sitzen wir nicht mehr vor einem leeren Facebook-Feld und fragen uns: „Was soll ich heute veröffentlichen?“

Wir haben etwas zu sagen, weil wir tatsächlich etwas erlebt, gesehen, gehört oder gedacht haben.

Und das Business? Es steckt ohnehin schon darin. Wir müssen es nicht jedes Mal im letzten Absatz noch künstlich hineinziehen.
IN DER NÄCHSTEN LEKTION

Es gibt noch eine beliebte Methode, Aufmerksamkeit zu bekommen: absichtlich das Wichtigste nicht zu sagen. „Etwas Großes kommt...“ „Heute habe ich unglaubliche Neuigkeiten bekommen, aber ich darf noch nichts verraten...“ „Willst du wissen, was es ist? Schreib mir.“ 😄 In der nächsten Lektion schauen wir uns an, ob das wirklich neugierig macht oder Menschen eher nervt.