Auch die eigene Zielgruppe beeinflusst die Relevanz
Wer auf unsere Beiträge reagiert, gehört nicht automatisch zur „richtigen“ oder „falschen“ Zielgruppe. Viel interessanter ist, welche Beziehungen und Interessen sich rund um unser Profil mit der Zeit entwickeln.
Wenn wir darüber sprechen, wen unsere Beiträge erreichen, teilen wir Menschen schnell in eine „richtige“ und eine „falsche“ Zielgruppe ein.
Besonders dann, wenn auf einen beruflichen Beitrag zuerst Freunde, Familienmitglieder oder alte Bekannte reagieren, entsteht leicht die Sorge: „Wird Facebook jetzt denken, dass genau das meine Zielgruppe ist?“
In dieser Lektion schauen wir uns an, warum einzelne Reaktionen unsere Zielgruppe nicht festlegen und warum es viel sinnvoller ist, die Entwicklung über einen längeren Zeitraum zu beobachten.
Was passiert, wenn die „falschen“ Menschen reagieren?
„Ich veröffentliche etwas über meine Arbeit, aber zuerst reagieren meine Schwester, meine Nachbarin und eine alte Schulfreundin. Zeigt Facebook meinen Beitrag jetzt nur noch solchen Menschen?“
Eine einzelne Reaktion von einem Freund oder Familienmitglied sagt Facebook nicht: „Suche ab jetzt nur noch Menschen, die genauso sind.“
Wenn wir kurz darüber nachdenken, wäre es auch ziemlich merkwürdig, wenn Facebook so funktionieren würde.
Die meisten persönlichen Profile bestehen seit vielen Jahren. In dieser Zeit haben sich ganz unterschiedliche Menschen rund um uns gesammelt.
Ein persönliches Profil besteht ganz natürlich aus verschiedenen Beziehungen
Es ist völlig normal, dass diese Menschen mit unterschiedlichen Beiträgen von uns interagieren.
Trotzdem spielt die Zielgruppe eine Rolle. Nur eben nicht auf die einfache Art, die wir manchmal vermuten.
Nicht eine Reaktion. Sondern das Muster mit der Zeit.
Wenn bestimmte Menschen unsere Beiträge regelmäßig lesen, mit uns sprechen, sich für bestimmte Themen interessieren und immer wieder zu unseren Inhalten zurückkehren, entstehen nach und nach Signale über diese Beziehungen und Interessen.
Der entscheidende Ausdruck ist: mit der Zeit.
Interessanter ist das Muster, das sich langsam entwickelt
Mit der Zeit entsteht ein wesentlich aussagekräftigeres Bild als durch eine einzelne Reaktion.
Fragen Sie sich deshalb weniger: „Sind das die richtigen Menschen?“ Beobachten Sie lieber: „Welche Menschen interessieren sich immer wieder für welche meiner Themen?“
Die sichtbaren Reaktionen sind nicht Ihre ganze Zielgruppe
Dabei können wir Überraschungen erleben. Ein Mensch, den wir überhaupt nicht zu unserer vermeintlichen „Zielgruppe“ gezählt hätten, kann regelmäßig genau unsere beruflichen Beiträge lesen.
Ein anderer Mensch reagiert vielleicht monatelang überhaupt nicht und schreibt uns irgendwann persönlich: „Ich lese schon länger, was du zu diesem Thema schreibst.“
Sichtbare Interaktionen
Likes, Reaktionen, Kommentare und geteilte Inhalte können wir direkt unter einem Beitrag erkennen.
Stille Aufmerksamkeit
Menschen lesen, merken sich einen Gedanken, erkennen unseren Namen wieder und gehen weiter, ohne sichtbar zu reagieren.
Wer nicht kommentiert, ist nicht automatisch uninteressiert.
Machen Sie aus Freunden und Familie kein Problem
Plötzlich stört uns die Freundin, die etwas unter einen Beitrag schreibt, weil sie „nicht zur Zielgruppe gehört“.
Ein Familienmitglied setzt ein Herz und wir fragen uns schon, ob es damit unseren Algorithmus durcheinanderbringt.
So sollten wir Menschen rund um unser persönliches Profil nicht betrachten.
Es ist ein persönliches Profil. Genau die Mischung verschiedener Beziehungen gehört zu seinem Charakter.
Die wichtigere Frage ist: Ergänzen wir dieses bestehende Umfeld nach und nach um Menschen, mit denen wir auch über unsere wichtigen Themen mehr gemeinsame Gespräche führen möchten?
Zielgruppen werden nicht nur gefunden. Beziehungen entstehen.
Wenn mich ein bestimmtes Thema interessiert, kann ich Menschen folgen, die sinnvoll darüber sprechen. Ich kann mich an Gesprächen beteiligen, neue Menschen über Kommentare und Gruppen entdecken und den Menschen antworten, die zu mir kommen.
So erweitert sich der Kreis rund um mein Profil mit der Zeit ganz natürlich.
So kann ein passendes Umfeld langsam wachsen
Finden Sie Menschen, die sich ernsthaft mit Ihren Themen beschäftigen.
Lesen Sie mit und beobachten Sie, welche Fragen und Gedanken auftauchen.
Schreiben Sie dort, wo Sie tatsächlich etwas beitragen möchten.
Antworten Sie Menschen und lassen Sie echte Kontakte wachsen.
Dabei gibt es noch einen wichtigen Punkt: Es reicht nicht, nur „unsere Menschen“ zu finden.
Wir müssen ihnen auch einen Grund geben, zu bleiben.
Hier treffen Inhalte und Zielgruppe aufeinander
Ein interessanter Beitrag
Jemand entdeckt mich über einen Beitrag zum Thema Social Media. Danach taucht dieses Thema zwei Monate lang überhaupt nicht mehr auf.
Ein Thema wird erkennbar
Das Thema erscheint immer wieder, aber jedes Mal aus einer anderen Perspektive. Nach und nach entsteht: „Ah, darüber spricht sie.“
Genau hier verbindet sich das, was wir in Untermodul 5 gelernt haben, mit dem Thema Relevanz.
Wir sprechen nicht regelmäßig über bestimmte Themen, um einen Algorithmus zu „trainieren“.
Wir tun es, damit Menschen verstehen können, wer wir sind, worüber wir sprechen und ob sie uns weiter folgen möchten.
Wir, die Menschen und Facebook beeinflussen die Entwicklung gemeinsam
Relevanz entsteht nicht nur in eine Richtung
Deshalb würde ich nicht versuchen, meine Zielgruppe künstlich zu „bereinigen“, nur weil jemand nicht wie der ideale Mensch für mein Business aussieht.
Die Lösung ist nicht, Menschen zu entfernen
Entfernen Sie nicht plötzlich Freunde, nur weil sie nicht zu einer gedachten Zielgruppe passen. Und machen Sie sich nicht verrückt darüber, wer auf welchen Beitrag ein Like gesetzt hat.
Wenn rund um Ihr Profil noch zu wenige Menschen sind, die sich für Ihre Themen interessieren, ist die natürlichere Lösung: Erweitern Sie Ihr Umfeld nach und nach.
Seien Sie rund um Ihre Themen aktiver. Entdecken Sie Menschen. Sprechen Sie mit ihnen. Beteiligen Sie sich dort, wo Sie tatsächlich etwas zu sagen haben.
Und geben Sie Ihrem eigenen Profil weiterhin Inhalte, wegen denen diese Menschen gerne zurückkommen.
Nicht für eine Woche. Nicht mit einer Pflicht von zwanzig Kommentaren am Tag. Es geht um die Art, wie wir Facebook langfristig nutzen.
Schauen Sie nicht nur auf die Zahlen. Schauen Sie auf die Menschen.
Öffnen Sie mehrere eigene Beiträge zum gleichen Thema aus den letzten Monaten. Schauen Sie diesmal nicht zuerst auf die Anzahl der Reaktionen.
Beobachten Sie stattdessen, welche Menschen immer wieder auftauchen.
Gibt es Namen, die Sie inzwischen wiedererkennen?
Gibt es Menschen, die regelmäßig Fragen stellen?
Tauchen nach und nach neue Menschen rund um dieses Thema auf?
Gibt es Menschen, die zunächst nur reagiert haben und später begonnen haben, sich an Gesprächen zu beteiligen?
Diese Beobachtung kann Ihnen über Ihre Zielgruppe deutlich mehr sagen als eine einzelne Reichweitenzahl.
Und wenn Sie solche Menschen noch nicht erkennen, ist auch das eine wertvolle Information.
Dann stellen Sie sich die Frage: Baue ich selbst neue Beziehungen rund um dieses Thema auf oder veröffentliche ich nur und warte darauf, dass jemand mich findet?
Machen Sie sich weniger Gedanken darüber, ob bei Ihrem letzten Beitrag die „richtigen“ Menschen reagiert haben. Beobachten Sie lieber, ob sich mit der Zeit rund um Ihre Themen Menschen sammeln, die sich wirklich dafür interessieren.
Als Nächstes geht es um thematische Kontinuität, ohne das persönliche Profil in eine einzige Nische zu sperren. Wir schauen uns auch den verbreiteten Rat an, man müsse eine Zeit lang nur über ein einziges Thema sprechen, damit Facebook endlich „versteht“, wer man ist.
