UNTERMODUL 03 · LEKTION 08

Gibt es einen Grund, warum dieser Beitrag genau von mir kommen sollte?

Die letzte Prüfung vor dem Veröffentlichen. Nicht: Ist der Text gut geschrieben? Sondern: Was habe ich selbst in diesen Inhalt eingebracht?

200
DER 200 PROFILE TEST Name und Foto entfernen
DIE FRAGE

Könnte dieser Beitrag genauso in allen anderen Profilen stehen?

Wir sind bei der letzten Prüfung vor dem Veröffentlichen angekommen.

Und eigentlich ist sie ganz einfach.

VOR DEM VERÖFFENTLICHEN

Gibt es etwas in diesem Text, das ihn wirklich zu meinem Beitrag macht?

Nach allem, was wir in diesem Untermodul gesehen haben, wissen wir inzwischen: Original Content bedeutet nicht, dass wir ein Thema finden müssen, über das noch nie jemand gesprochen hat.

Und es bedeutet auch nicht, dass jeder Beitrag eine persönliche Geschichte enthalten muss.

Wir können über ein Thema sprechen, zu dem es bereits Tausende Beiträge gibt, und trotzdem etwas Eigenes daraus machen.

Die entscheidende Frage ist: Was haben wir selbst eingebracht?

WAS KANN UNSER EIGENER ANTEIL SEIN?

Es gibt nicht nur eine Möglichkeit

Manchmal ist es unsere Meinung.

Ein anderes Mal ist es ein konkretes Beispiel oder eine Beobachtung.

Vielleicht erklären wir etwas Kompliziertes mit normalen Worten. Vielleicht verbinden wir zwei Dinge miteinander, die sonst meistens getrennt betrachtet werden.

Oder wir stellen eine Frage, die das Gespräch in eine andere Richtung führt.

01 Meinung

Wie sehe ich selbst dieses Thema?

02 Beobachtung

Was ist mir in der Praxis aufgefallen?

03 Beispiel

Was macht den Gedanken konkret und verständlich?

04 Erklärung

Wie würde ich es einem Menschen gegenüber erklären?

05 Verbindung

Welche Zusammenhänge sehe ich selbst?

06 Eigene Frage

Welche andere Richtung gebe ich dem Thema?

DIE VERBINDUNG ZUM THEMA ORIGINAL CONTENT

Genau hier liegt auch die wichtige Verbindung zu dem, was wir in diesem Untermodul über Metas Verständnis von Original Content betrachtet haben. Entscheidend ist nicht nur, ob ein fremdes Material technisch verändert wurde. Wichtig ist auch, ob wir einen substanziellen eigenen Beitrag hinzugefügt haben.

EIN SEHR EINFACHER TEST

Der Test mit 200 Profilen

STELLEN SIE SICH FOLGENDES VOR

Entfernen Sie Ihren Namen und Ihr Profilfoto

Stellen Sie sich vor, wir nehmen Ihren Beitrag und setzen ihn anschließend in 200 Profile von Menschen, die in derselben Branche arbeiten.

Könnte der Text dort überall stehen, ohne dass auch nur ein einziges Wort geändert werden müsste?

Wenn ja, gibt es wahrscheinlich noch etwas, das wir an diesem Beitrag weiterentwickeln können.

Das bedeutet nicht automatisch, dass der Beitrag schlecht ist.

Er kann hilfreich, richtig und sehr gut geschrieben sein.

Nur ist darin vielleicht noch nicht genug von dem Menschen zu erkennen, der ihn veröffentlicht.

Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel.

EIN ALLGEMEINER TEXT

„Vertrauen ist die Grundlage jedes erfolgreichen Business. Menschen möchten mit Menschen arbeiten, auf die sie sich verlassen können. Deshalb sollten wir authentisch und verlässlich sein und echte Beziehungen aufbauen.“

An diesem Text ist grundsätzlich nichts falsch.

Aber wir können kaum erkennen, wer ihn geschrieben hat.

Mit kleinen Änderungen könnte er in fast jedem Business Profil stehen.

Schauen wir uns dasselbe Thema jetzt durch eine konkrete Beobachtung an.

DASSELBE THEMA, ABER JETZT WIRD DER AUTOR SICHTBAR

„Eine Sache habe ich ziemlich spät verstanden: Menschen folgen uns manchmal lange, bevor sie uns überhaupt schreiben. Die Person auf der anderen Seite reagiert vielleicht nicht, kommentiert nicht und wir wissen nicht einmal, dass sie unsere Beiträge liest. Sie beobachtet einfach, was wir veröffentlichen, wie wir sprechen und ob wir nach einiger Zeit noch immer hinter denselben Dingen stehen.“

Das Thema ist noch immer Vertrauen.

Wir haben nichts völlig Neues entdeckt.

Aber jetzt gibt es eine konkrete Beobachtung und eine eigene Art, auf dieses Thema zu schauen.

GENAU DAS IST DER UNTERSCHIED

Jetzt gibt es einen Grund, warum dieser Beitrag genau von diesem Menschen kommt.

ABER BITTE KEIN NEUES SCHEMA DARAUS MACHEN

Wir brauchen nicht überall eine persönliche Geschichte

Nach einem solchen Beispiel kann schnell ein neues Muster entstehen.

Plötzlich beginnt jeder Beitrag mit: „Mir ist passiert …“, „Vor einiger Zeit habe ich verstanden …“ oder „Ein Kunde hat mir gesagt …“

Genau das ist nicht das Ziel.

WICHTIG Eigener Anteil ist nicht gleich persönliche Geschichte

Manchmal haben wir zu einem Thema einfach keine persönliche Geschichte.

Dann müssen wir auch keine suchen. Und wir sollten erst recht keine erfinden.

Unser eigener Beitrag kann genauso gut eine Meinung, eine Beobachtung, eine Erklärung oder eine Verbindung zwischen verschiedenen Informationen sein.

Vielleicht lesen wir zum Beispiel Firmenmaterial zu einem neuen Produkt.

Die Fakten darin sind für alle dieselben.

Aber vielleicht fällt uns eine bestimmte Eigenschaft auf, weil sie mit einer Frage zusammenhängt, die Menschen uns häufig stellen.

Genau dort kann unser eigener Beitrag beginnen.

Oder wir lesen einen Artikel, mit dem wir nicht vollständig übereinstimmen.

Wir müssen nicht den ganzen Artikel nacherzählen. Vielleicht nehmen wir nur einen Gedanken daraus und erklären, warum wir ihn anders sehen.

Ein anderes Mal liegt unser eigener Anteil einfach in der Erklärung.

Wenn wir komplizierte Informationen für die Menschen, mit denen wir sprechen, verständlich machen können, ist auch das ein eigener Beitrag.

Es gibt also keine einzige Zutat, die in jedem Beitrag enthalten sein muss.

WENN EIN TEXT RICHTIG, ABER IRGENDWIE UNPERSÖNLICH WIRKT

Was füge eigentlich ich hinzu?

?

Was in diesem Beitrag kommt von mir und nicht einfach nur vom Thema?

?

Wo wird sichtbar, wie ich selbst dieses Thema verstehe?

?

Gibt es etwas im Text, das ich einem Menschen gegenüber genauso sagen würde?

?

Gebe ich mehr weiter als Informationen, die man überall finden kann?

?

Wenn ich fremdes Material verwendet habe: Was bleibt von meinem Beitrag übrig, wenn ich dieses Material entferne?

Wir müssen diese fünf Fragen natürlich nicht vor jedem Beitrag sorgfältig abarbeiten.

Sie sind eher eine Hilfe für die Momente, in denen ein Text zwar richtig wirkt, aber irgendwie unpersönlich bleibt.

Besonders hilfreich ist die letzte Frage, wenn wir mit fremdem oder fertigem Firmenmaterial arbeiten.

Entfernen wir das fremde Material und von unserem Beitrag bleibt fast nichts übrig, haben wir den Inhalt wahrscheinlich hauptsächlich präsentiert oder nacherzählt.

War das fremde Material dagegen nur der Ausgangspunkt und unser Beitrag hat inzwischen eine eigene Richtung, sieht die Sache ganz anders aus.

MANCHMAL IST UNSER BEITRAG SCHON DA

Er ist nur unter zu viel Text vergraben

Das passiert erstaunlich oft, besonders wenn wir uns bemühen, einen Text besonders gut zu schreiben.

Wir beginnen mit einigen allgemeinen Sätzen, erklären das Thema, bauen noch eine Einleitung ein und kommen erst irgendwo in der Mitte zu dem Gedanken, den wir eigentlich sagen wollten.

DER ANFANG

„Wir alle wissen, wie wichtig Regelmäßigkeit in Social Media ist …“

DER EIGENTLICHE GEDANKE

„Ich habe ziemlich lange gebraucht, um zu verstehen, dass mein Problem nie fehlende Ideen waren. Ich habe nur bei jedem Beitrag darauf gewartet, dass er gut genug ist, um veröffentlicht zu werden.“

Nicht immer: „Was kann ich noch hinzufügen?“ Manchmal: „Wo beginnt eigentlich mein Beitrag?“

Genau dort steckt die konkrete Aussage.

Vielleicht müssen wir also gar nichts mehr hinzufügen.

Vielleicht müssen wir einen Teil von dem entfernen, was davor steht.

KI ALS ZWEITES PAAR AUGEN

Auch bei dieser letzten Prüfung kann KI helfen

Nach der vorherigen Lektion wissen wir bereits, welche Aufgabe wir der KI nicht geben möchten.

Wir bitten sie hier nicht, etwas zu erfinden, damit unser Text persönlicher aussieht.

Wir können sie aber nutzen, um Stellen sichtbar zu machen, die wir selbst nach langer Arbeit am Text kaum noch erkennen.

PROMPT 1

Wo ist mein Text noch zu allgemein?

Allgemeine Stellen erkennen
Ich gebe dir gleich meinen Facebook Beitrag. Schreibe ihn nicht neu. Zeige mir, welche Teile ohne jede Veränderung auch von fast jedem anderen Menschen in meiner Branche veröffentlicht werden könnten. Nenne konkret die Sätze, die zu allgemein wirken, und erkläre kurz, warum. Stelle mir danach zu jeder dieser Stellen eine Frage, die mir hilft, selbst meine eigene Sicht, Beobachtung, ein Beispiel oder meine Art der Erklärung einzubringen. Erfinde nichts in meinem Namen. Mein Text: [TEXT EINFÜGEN]

Die KI bekommt hier nicht die Aufgabe, unseren Beitrag zu reparieren.

Sie zeigt uns nur, an welchen Stellen es sich lohnt, selbst noch einmal hinzuschauen.

PROMPT 2

Was in diesem Text ist wirklich mein eigener Anteil?

Den eigenen Anteil sichtbar machen
Lies meinen Beitrag und finde die Stellen, an denen ein eigener Anteil von mir klar sichtbar wird. Das können zum Beispiel meine Meinung, eine Beobachtung, ein konkretes Beispiel, meine Erklärung, eine Verbindung zwischen verschiedenen Gedanken oder eine Frage sein, die das Thema in eine eigene Richtung führt. Bewerte meinen Schreibstil nicht und schreibe den Text nicht neu. Ich möchte nur sehen, wo meine eigene Sicht im Text erkennbar ist und wo der Beitrag zu allgemeiner Information wird. Mein Text: [TEXT EINFÜGEN]

Dieser Prompt ist noch aus einem anderen Grund hilfreich.

Wir suchen damit nicht nur, was im Text noch fehlt.

Wir sehen auch, was bereits gut funktioniert.

Und manchmal erkennen wir genau dort die Richtung, in die wir den restlichen Beitrag weiterentwickeln können.

PROMPT 3

Der 200 Profile Test

Könnte dieser Beitrag von jedem kommen?
Stell dir vor, wir entfernen meinen Namen, mein Foto und alle persönlichen Angaben aus diesem Beitrag und setzen ihn in 200 Profile von Menschen aus derselben Branche. Zeige mir, welche Teile in all diesen Profilen völlig natürlich stehen könnten und welche Teile klar zu einem konkreten Autor gehören. Schreibe den Text nicht neu. Wenn fast alles allgemein ist, stelle mir 5 Fragen, die mir helfen herauszufinden, was ich selbst zu diesem Thema wirklich zu sagen habe. Erfinde keine Antworten in meinem Namen. Mein Text: [TEXT EINFÜGEN]

Das ist eine gute letzte Prüfung, besonders wenn wir lange an einem Beitrag gearbeitet haben und ihn selbst kaum noch mit Abstand betrachten können.

UND TROTZDEM

Machen wir nicht jeden Beitrag komplizierter als nötig

Nicht alles, was wir veröffentlichen, braucht eine große Idee oder eine persönliche Geschichte.

Eine kurze Information, ein Foto mit ein paar eigenen Worten oder etwas Interessantes aus unserem Tag hat genauso seinen Platz in unserem Profil.

Der Sinn dieser Lektion ist nicht, vor jeder Veröffentlichung beweisen zu müssen, dass wir besonders originell sind.

Es geht vielmehr darum, den Unterschied zu spüren zwischen einem Beitrag, bei dem wir wirklich etwas zu sagen haben, und einem Text, der nur unser Profil füllt und genauso gut von jedem anderen kommen könnte.

Manchmal sagt ein ganz normaler, aber echter Satz mehr über den Menschen hinter einem Profil als ein langer und perfekt geschriebener Text.

LETZTE ÜBUNG IN DIESEM UNTERMODUL

Schauen Sie sich Ihren letzten Beitrag noch einmal an

Nehmen Sie den letzten Beitrag, den Sie geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht haben.

Lesen Sie ihn einmal, ohne sofort etwas zu verändern.

Entfernen Sie dann gedanklich Ihren Namen und Ihr Profilfoto.

Könnte derselbe Text problemlos in Dutzenden anderen Profilen stehen?

Dann gehen Sie zurück zu dem Grund, warum Sie überhaupt über dieses Thema sprechen wollten.

Vielleicht gibt es eine eigene Meinung, ein Beispiel, eine Beobachtung oder einfach eine Art, dieses Thema zu erklären, die wirklich von Ihnen kommt.

Genau danach lohnt es sich zu suchen. Nicht nach interessanteren Wörtern und auch nicht nach einer persönlichen Geschichte, die nur eingebaut wird, weil angeblich eine hineinmuss.

Und wenn Ihr eigener Gedanke bereits im Text steckt, lassen Sie ihn sichtbar werden.

Manchmal versteckt ihn zusätzliches Redigieren nur wieder.

ABSCHLUSS · UNTERMODUL 03

Damit schließen wir dieses Untermodul ab

Wir haben mit der Frage begonnen, was Facebook unter Original Content versteht.

Danach haben wir uns mit fremden und fertigen Firmenmaterialien, dem Teilen, Videos, Übersetzungen und der Arbeit mit KI beschäftigt.

Und am Ende kommen wir zu einer Frage zurück, die wir immer wieder verwenden können:

Warum ist dieser Beitrag meiner?

Der Name über einem Beitrag, einige ausgetauschte Wörter oder ein hinzugefügtes Logo können diese Frage nicht für uns beantworten.

Die Antwort steckt in dem, was wir selbst in den Inhalt eingebracht haben: einen eigenen Gedanken, eine Meinung, eine Beobachtung, ein Beispiel, eine Erklärung oder einen anderen Blick auf das Thema.

Genau darin liegt auch die Idee eines substanziellen eigenen Beitrags, die für die Einordnung von Original Content eine wichtige Rolle spielt.

DIE LETZTE FRAGE BLEIBT

Nicht: „Ist dieser Beitrag perfekt?“ Sondern: „Ist darin etwas, das wirklich von mir kommt?“