Jagen Sie nicht dem Algorithmus hinterher. Beobachten Sie die Menschen.
Nach elf Lektionen wissen wir inzwischen viel darüber, wie Facebook Inhalte einordnet und welche eigenen Entscheidungen eine Rolle spielen können.
Jetzt kommt der wichtigste Schritt: das Gelernte nutzen, ohne irgendwann mehr über den Algorithmus als über die Menschen nachzudenken.
Je mehr man sich damit beschäftigt, wie Facebook funktioniert, desto mehr angebliche Regeln begegnen einem.
Die ersten 30 Minuten würden über das Schicksal eines Beitrags entscheiden. Man müsse jeden Tag veröffentlichen. Bestimmte Formate bekämen automatisch mehr Reichweite. Der professionelle Modus verschaffe grundsätzlich einen Vorteil. Facebook möge keine Business Inhalte. Ein schwacher Beitrag könne die nächsten Beiträge mit nach unten ziehen.
Manche dieser Aussagen stammen aus echten Beobachtungen. Andere waren vielleicht zu einem bestimmten Zeitpunkt relevant. Wieder andere wurden so oft wiederholt, dass sie irgendwann wie offizielle Regeln klingen, obwohl kaum jemand noch weiß, woher sie ursprünglich kamen.
Genau hier beginnt die Gefahr: Wir denken irgendwann mehr über den Algorithmus nach als über die Menschen.
Wir müssen Facebook verstehen. Wir müssen es nicht entschlüsseln.
Natürlich ist es sinnvoll zu verstehen, wie Facebook arbeitet. Genau deshalb gibt es diesen Untermodul.
Wir sollten wissen, wie Inhalte eingeordnet werden können, welche eigenen Handlungen die Verbreitung unterstützen und welche Verhaltensweisen uns eher im Weg stehen können.
Es ist sinnvoll, die Umgebung zu kennen, in der wir arbeiten.
Das ist aber etwas anderes als die ständige Suche nach einer geheimen Formel.
Facebook arbeitet mit vielen technischen Systemen und verarbeitet enorme Mengen an Informationen. Auf der anderen Seite sitzen aber echte Menschen, deren Verhalten sich nicht vollständig in eine Rezeptur pressen lässt.
Deshalb kann ein Beitrag, von dem wir überzeugt sind, dass er sehr gut funktionieren wird, überraschend wenig Interesse auslösen.
Und manchmal schreiben wir etwas ganz Natürliches und plötzlich entsteht darunter ein Gespräch, das zwei Tage weitergeht.
„Meta hat das nicht offiziell gesagt“ bedeutet nicht automatisch, dass eine Beobachtung wertlos ist
Auch das andere Extrem hilft uns nicht.
Meta veröffentlicht nicht jedes Detail darüber, wie einzelne Systeme Inhalte bewerten, sortieren und verteilen.
Deshalb werden wir nicht für jede Beobachtung eine offizielle Seite finden, auf der genau steht: „Ja, so funktioniert es.“
Aus diesem Grund haben wir in diesem Untermodul auch über Dinge gesprochen, die man in der Praxis beobachten kann, ohne sie als bestätigte Facebook Formel darzustellen.
Meta beschreibt eine Funktion, Regel oder Veränderung selbst.
Ein Muster zeigt sich in der Praxis bei mehreren Beiträgen oder Profilen.
Eine Erklärung klingt möglich, ist aber nicht ausreichend belegt.
Für unsere tägliche Arbeit können beide Ebenen hilfreich sein.
Wir lernen Facebook schließlich nicht, um seine technischen Bedingungen auswendig zu können. Wir lernen, die Plattform vernünftig zu nutzen.
Aus drei guten Beiträgen entsteht noch kein Naturgesetz
Genau hier entstehen viele Facebook Mythen.
Jemand veröffentlicht dreimal morgens um 8:00 Uhr und bekommt gute Ergebnisse.
Danach lautet die Schlussfolgerung: „Die beste Uhrzeit für Facebook ist 8:00 Uhr.“
Eine andere Person hört auf, ein bestimmtes Format zu verwenden, die Reichweite verbessert sich und sofort scheint die Ursache gefunden.
Danach entsteht ein Video darüber. Zehn weitere Menschen wiederholen die Aussage und wenige Monate später klingt sie wie eine feste Regel.
Deshalb sollten wir unterscheiden zwischen persönlicher Erfahrung, wiederholter Beobachtung und tatsächlich bestätigter Information.
Alle drei können interessant sein. Sie sind nur nicht dasselbe.
„Facebook mag keine Business Inhalte“
Diese Aussage wird häufig verwendet, wenn Business Beiträge weniger Interesse bekommen.
Sie lässt aber einen wichtigen Punkt aus.
Facebook ist eine soziale Plattform. Menschen kommen dort zusammen, kommunizieren, teilen Dinge und bleiben mit anderen Menschen und Gemeinschaften verbunden.
Wenn wir es aus dieser Perspektive betrachten, wird verständlicher, warum ein persönliches Profil, das nach und nach wie eine Sammlung von Business Anzeigen aussieht, für andere Menschen weniger interessant werden kann.
Das bedeutet nicht, dass wir auf Facebook nicht über unser Business sprechen sollten.
Natürlich können wir zeigen, woran wir arbeiten. Wir können über Erfahrungen sprechen, Kunden gewinnen, Kontakte aufbauen und auch verkaufen.
Zwischen beidem liegt ein großer Unterschied.
Für klassische Werbung gibt es auf Meta eigene Werbeformate.
Dort sind ein konkretes Angebot, ein Produkt, ein Preis und eine direkte Verkaufsabsicht völlig normal.
Ein persönliches Profil funktioniert anders.
Menschen öffnen es nicht, weil sie einen Werbekatalog sehen möchten. Sie interessieren sich zunächst für den Menschen dahinter.
Genau deshalb lernen wir in dieser Academy nicht, unser Business zu verstecken.
Wir lernen, darüber so zu sprechen, dass es natürlich in eine soziale Umgebung passt.
Erzählen statt nur ankündigen. Einen Gesprächsanlass geben statt ständig Angebote zu machen. Den Menschen und die Erfahrung hinter der Arbeit zeigen.
„Es gibt eine Formel für das perfekte Facebook Profil“
Nein. Und das ist eigentlich eine gute Nachricht.
Wir können Profile beobachten, die gut funktionieren.
Wir können sehen, wie dort Gespräche beginnen, wie Bilder eingesetzt werden oder wie jemand über seine Arbeit spricht.
Daraus können wir Ideen mitnehmen.
Wenn wir aber einfach die Arbeitsweise einer anderen Person kopieren, heißt das noch lange nicht, dass sie bei uns genauso wirkt.
Die Menschen, die einer anderen Person folgen, sind nicht automatisch unsere Menschen.
Auch unser Charakter und unsere Art zu erzählen sind anders.
Genau deshalb bauen wir in dieser Academy kein starres Muster für ein „perfektes Facebook Profil“.
Prinzipien verstehen und daraus den eigenen Weg entwickeln.
„Mehr Reichweite bedeutet automatisch einen besseren Beitrag“
Das ist ein besonders leichter Denkfehler, weil Zahlen so sichtbar sind.
Ein Beitrag mit 20.000 Aufrufen sieht beeindruckender aus als einer mit 2.000.
Aber wir nutzen Facebook nicht für einen Wettbewerb um möglichst große Zahlen.
gesehen, weitergescrollt, keine weitere Reaktion
Gespräche, neue Kontakte, Nachrichten, echtes Interesse
Wenn 20.000 Menschen zufällig an einem Inhalt vorbeikommen, ihn ansehen und danach weitergehen, sieht die Zahl schön aus.
Sie erzählt uns aber noch nicht, was daraus entstanden ist.
Ein deutlich kleinerer Beitrag kann dagegen zu mehreren guten Gesprächen, neuen Kontakten oder echtem Interesse an unserer Arbeit führen.
„Wir müssen den Facebook Algorithmus besiegen“
Solche Sätze funktionieren wunderbar als Überschrift für ein Video.
Für langfristige Arbeit helfen sie uns wenig.
Selbst wenn heute irgendein Trick funktioniert, kann die Plattform morgen etwas verändern.
Wenn wir dagegen Menschen rund um unser Profil haben, die uns kennen, uns lesen und einen Grund haben, mit uns zu sprechen, verschwindet das nicht so schnell mit der nächsten technischen Änderung.
Wir möchten Facebook nicht besiegen. Wir möchten lernen, es gut zu nutzen.
Vorsicht bei bestimmten Formulierungen bleibt trotzdem sinnvoll
Aus diesem letzten Punkt sollten wir nicht das Gegenteil ableiten und plötzlich glauben, jede Formulierung sei völlig egal.
Meta bewertet Inhalte nicht nur nach einem einzelnen Wort, sondern nach verschiedenen Signalen und nach dem Zusammenhang.
Formulierungen, die in Verbindung mit Spam, irreführenden Versprechen, aggressivem Verkauf, künstlicher Reaktionssammlung oder anderen problematischen Mustern stehen, können deshalb relevant sein.
Genau darum gibt es zu Lektion 8. Worte machen einen Unterschied zusätzliches Material mit Formulierungen, bei denen wir genauer hinschauen sollten.
Das ist keine offizielle Liste mit einzelnen „verbotenen Wörtern“, die automatisch einen Beitrag blockieren.
Es geht darum, problematische Kombinationen und unnötig werbliche Sprache früh zu erkennen.
Die interessanteste Information steht nicht immer in den Statistiken
Statistiken zeigen uns, wie viele Menschen einen Beitrag gesehen haben, wie viele reagiert haben oder wie lange ein Video angesehen wurde.
Manchmal befindet sich die wertvollste Information aber weiter unten.
Im Gespräch.
Jemand fragt etwas, womit wir überhaupt nicht gerechnet haben.
Eine Person schreibt etwas, das zeigt, welches Thema sie wirklich beschäftigt.
Zwei Tage später kommt: „Ich habe deinen Beitrag gesehen …“
Solche Dinge lassen sich nicht immer sauber in einer Grafik darstellen.
Für unsere Arbeit können sie trotzdem viel wichtiger sein als weitere tausend zufällige Aufrufe.
Manchmal verraten Gespräche mehr als jede Algorithmus Theorie
Wenn mehrere Menschen eine ähnliche Frage stellen, haben wir bereits ein Thema.
Wenn unter bestimmten Beiträgen regelmäßig echte Gespräche entstehen, ist auch das eine Information.
Wenn Menschen eine Woche später selbst wieder auf etwas zurückkommen, das wir veröffentlicht haben, sagt uns auch das etwas.
Diese kleinen Signale helfen uns nach und nach zu verstehen, was die Menschen um uns herum beschäftigt.
Nicht bei der Frage: „Was gefällt dem Algorithmus heute?“
Sondern bei dem, was wir bereits in echten Gesprächen gehört haben.
Was machen wir mit der nächsten großen Algorithmus Meldung?
Sie werden ihnen weiterhin begegnen.
Jemand verkündet, Facebook habe gerade den Algorithmus verändert.
Eine andere Person zeigt einen neuen Trick.
Die nächste erklärt, etwas, das wir bisher gemacht haben, sei plötzlich völlig falsch.
Wir müssen deshalb nicht jedes Mal unsere gesamte Arbeitsweise verändern.
Offizielle Meta Quelle, praktische Beobachtung oder bloße Behauptung?
Wird sauber unterschieden zwischen Wissen und Vermutung?
Stimmen die eigenen Daten oder Erfahrungen überhaupt damit überein?
Wenn Meta selbst eine relevante Veränderung bekanntgibt, sollten wir sie natürlich kennen.
Wenn jemand, der regelmäßig mit der Plattform arbeitet, ein plausibles Muster beobachtet, kann auch das interessant sein.
Wenn dagegen nur eine sehr sichere Behauptung ohne erkennbare Grundlage im Raum steht, müssen wir unser Profil nicht sofort umbauen.
Behauptungen prüfen, statt sie einfach zu übernehmen
Meta AI oder ChatGPT können praktisch sein, wenn wir auf eine sehr sichere Behauptung über Facebook stoßen und herausfinden möchten, was wirklich dahintersteht.
Entscheidend ist, wie wir fragen.
Facebook wird sich verändern. Die Menschen bleiben der Mittelpunkt.
Facebook wird sich weiterentwickeln. Das ist sicher.
Es wird neue Funktionen geben, andere Arten der Verbreitung und neue Empfehlungen.
Manche Dinge, die heute gut funktionieren, werden irgendwann vielleicht weniger wichtig sein.
Genau deshalb möchte ich nicht, dass nach diesem Untermodul das Gefühl bleibt, Sie hätten zwölf Lektionen darüber gelernt, wie man einem Algorithmus gefällt.
Wir haben genug darüber gelernt, wie Facebook arbeitet, damit wir uns nicht unnötig selbst im Weg stehen und die Plattform vernünftig nutzen können.
Danach geht unsere Aufmerksamkeit wieder dorthin, wo sie hingehört.
Denn wir können jede Technik kennen und trotzdem kaum wahrgenommen werden, wenn wir dem Menschen auf der anderen Seite nichts zu sagen haben.
Oder wir kennen die wichtigsten Regeln der Umgebung, nutzen sie vernünftig und kommunizieren danach einfach wieder ganz normal.
Genau das ist die Idee dieser Academy.
Facebook nicht in eine kostenlose Werbefläche zu verwandeln, sondern zu lernen, dort Business aufzubauen, ohne zu vergessen, warum Menschen überhaupt in sozialen Netzwerken sind.
