Der Blick von außen: Wie KI Beiträge und unser Profil analysieren kann
Manchmal brauchen wir keine weitere Idee dafür, was wir posten könnten. Wir brauchen einen Blick von außen, der uns hilft zu erkennen, was wir tatsächlich zeigen.
KI entscheidet nicht, ob unser Profil „gut“ oder „schlecht“ ist. Wir nutzen sie als Spiegel, nicht als Richter.
Es gibt ein Problem mit dem eigenen Facebook-Profil: Wir kennen es zu gut.
Wir wissen, warum wir einen bestimmten Beitrag geschrieben haben. Wir erinnern uns an die Situation dahinter. Wir wissen, was wir mit einem Satz gemeint haben, selbst wenn wir es eigentlich gar nicht besonders gut erklärt haben. Wir wissen auch, dass wir vor zwei Wochen ein Foto aus dem Garten gepostet haben, letzten Sonntag etwas Persönliches geschrieben haben und dazwischen ein paar Mal unser Business gezeigt haben.
Ein Mensch, der heute zum ersten Mal auf unser Profil kommt, weiß all das nicht.
Er sieht nur das, was vor ihm liegt.
Und genau hier kann KI sehr hilfreich sein. Manchmal brauchen wir nämlich keine weitere Idee dafür, was wir posten könnten. Wir brauchen einen Blick von außen.
Nicht damit KI uns sagt, ob unser Profil „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern damit sie uns hilft zu erkennen, was wir tatsächlich zeigen.
Vor dem Veröffentlichen: Ist überhaupt klar, was wir sagen möchten?
Mir ist es schon passiert, dass ich einen Text geschrieben, ihn gelesen und gedacht habe: Für mich ist doch alles vollkommen klar.
Natürlich ist es klar. Ich kenne ja die ganze Geschichte. 😄
Der Mensch, der den Beitrag liest, war aber nicht dabei, als die Situation passiert ist. Er hat das Gespräch nicht gehört, aus dem der Beitrag entstanden ist, und er kennt auch nicht die andere Hälfte des Gedankens, die nur in meinem Kopf geblieben ist.
Deshalb können wir den Text vor dem Veröffentlichen an KI geben. Nicht mit der Bitte, ihn „besser“ zu machen, sondern mit der Aufgabe, ihn wie ein Mensch zu lesen, der keinerlei zusätzliche Informationen hat.
Das ist etwas anderes als die Textbearbeitung aus Lektion 4. Dort haben wir am Text gearbeitet und darauf geachtet, unsere eigene Stimme zu behalten. Hier möchten wir prüfen, was beim Menschen auf der anderen Seite tatsächlich ankommt.
Ist klar, was ich sagen möchte?
Wir möchten hier keine neue Version des Beitrags. Wir prüfen, ob der Text tatsächlich den Gedanken vermittelt, den wir bereits im Kopf haben.
Wenn KI etwas ganz anderes versteht als das, was wir eigentlich sagen wollten, ist das ein interessantes Signal.
Das bedeutet nicht automatisch, dass KI recht hat und wir den Text ändern müssen. Aber es lohnt sich zu schauen, warum sie gerade diese Aussage herausgelesen hat. Vielleicht haben wir mit einem Thema angefangen und sind unterwegs bei einem anderen gelandet. Vielleicht ist der wichtigste Gedanke nur angedeutet. Oder mit dem Text ist alles in Ordnung und KI hat ihn einfach nicht richtig verstanden.
Schließlich haben wir keinen neuen Chefredakteur für unser Profil eingestellt. 😄
Nach dem Veröffentlichen kommt etwas Neues dazu: die Reaktion der Menschen
Hier wird die Analyse noch interessanter.
Nehmen wir an, wir haben einen Beitrag veröffentlicht, bei dem wir mit einem Gespräch gerechnet haben, aber fast niemand hat kommentiert.
Die einfachste Erklärung wäre: „Facebook hat den Beitrag nicht gezeigt.“
Das kann sein. Es kann aber auch einen anderen Grund geben. Vielleicht war der Beitrag interessant zu lesen, hat aber keinen natürlichen Raum gelassen, in dem sich jemand in das Gespräch einbringen konnte. Vielleicht haben wir alles so abschließend erklärt, dass eigentlich nichts mehr zu sagen war. Oder der Anfang hat die Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt, während der restliche Text in eine andere Richtung gegangen ist.
KI kann uns nicht mit Sicherheit sagen, warum ein Beitrag mehr oder weniger Reaktionen bekommen hat. Sie sieht nicht den Algorithmus hinter der konkreten Ausspielung und sollte dafür auch keine Erklärung erfinden.
Sie kann aber den Text selbst betrachten und uns helfen zu erkennen, wie er aufgebaut ist.
Besonders hilfreich wird das, wenn wir nicht einfach fragen: „Warum hat dieser Beitrag nicht gut funktioniert?“ Stattdessen sagen wir, was wir tatsächlich wissen: Was wollten wir sagen? Welches Gespräch hatten wir erwartet? Und was ist tatsächlich passiert?
So verlangen wir von KI nicht, zu erraten, was Facebook gemacht hat. Wir lassen sie das analysieren, was sie tatsächlich sehen kann.
Ein einzelner Beitrag ist fast nie das ganze Bild
Manchmal schauen wir uns einen einzelnen Beitrag an und mit ihm ist eigentlich alles in Ordnung. Dann betrachten wir die letzten zehn Beiträge zusammen und plötzlich sieht das Bild anders aus.
Am Montag haben wir über das Business geschrieben. Am Mittwoch haben wir ein Produkt gezeigt. Am Freitag etwas aus einem Zoom geteilt. Am Sonntag haben wir von einem Gespräch mit einem Partner erzählt. Und der nächste Beitrag handelt wieder vom Business, nur aus einer anderen Perspektive.
Jeder einzelne Beitrag kann menschlich, gut geschrieben und sinnvoll sein.
Ein Mensch, der uns heute entdeckt und unser Profil anschaut, sieht diese Beiträge aber nicht einzeln mit all unseren Erklärungen im Kopf.
Er sieht das Gesamtbild.
Statt „Analysiere mein Profil“ müssen wir KI etwas geben, das sie analysieren kann
KI hat nicht automatisch Zugriff auf unser gesamtes Facebook-Profil, nur weil wir ihr unseren Namen nennen.
Und sie braucht auch gar keinen Zugriff auf alles.
Wir können zum Beispiel die Texte oder kurze Zusammenfassungen unserer letzten 10 bis 15 Beiträge sammeln und gemeinsam eingeben. Wenn für den Eindruck auch das Bild wichtig ist, können wir mit einem Satz beschreiben, was darauf zu sehen war: ein Selfie, ein Produkt, ein Familienfoto, Natur, ein Bild mit einem Zitat oder ein Foto von einer Veranstaltung.
Dann können wir viel konkreter fragen als einfach nur: „Sag mir, wie mein Profil wirkt.“
Was zeigt mein Profil in den letzten 10 Beiträgen?
Wir fragen KI nicht, „wer wir sind“. Wir geben ihr konkrete Beiträge und schauen, welches Bild sie gemeinsam ergeben.
Das Wort „könnte“ ist hier wichtig. KI kann nicht sagen: „Die Menschen nehmen Sie so wahr.“
Sie hat die Menschen nicht interviewt.
Sie kann uns aber zeigen, welchen Eindruck genau diese Beiträge erzeugen könnten. Und damit können wir arbeiten.
Manchmal ist das Problem gar nicht, dass wir viel über unser Business sprechen
Das ist wichtig, denn ich möchte nicht, dass nach dieser Lektion jemand anfängt zu zählen:
„Oh, ich habe drei Business-Beiträge. Jetzt muss ich unbedingt eine Katze posten.“ 😄
Es gibt keine Formel.
In Untermodul 7 haben wir darüber gesprochen, dass das Business ein natürlicher Teil des persönlichen Profils sein kann. Es muss nicht versteckt werden. Wenn es ein wichtiger Teil unseres Lebens ist, ist es völlig normal, dass es auch im Profil vorkommt.
Die interessantere Frage ist: Was sieht ein Mensch neben dem Business noch von uns?
Man sieht Gedanken, Erfahrungen, Humor, Beziehungen, Fehler und eine persönliche Sichtweise.
Die Zahl ist kleiner, aber vom Menschen selbst ist kaum etwas zu sehen.
Deshalb sagt uns die reine Anzahl nicht besonders viel. Interessanter ist die Frage, ob das Profil einen Menschen zeigt, der ein Business hat, oder ein Business, hinter dem irgendwo noch ein Mensch steht.
Wiederholen wir dasselbe Thema, ohne es zu bemerken?
Das passiert sehr leicht.
Wir haben ein Thema, das uns wichtig ist, und kommen deshalb ganz natürlich immer wieder darauf zurück. Manchmal beginnen wir dabei allerdings, denselben Gedanken nur in unterschiedlichen Verpackungen zu erzählen.
Vielleicht schreiben wir in mehreren Beiträgen darüber, dass man nicht auf den perfekten Moment warten sollte. Danach geht es um die Angst anzufangen. Und anschließend darum, trotz Unsicherheit ins Handeln zu kommen.
Für uns können das drei verschiedene Beiträge sein, weil sie aus drei unterschiedlichen Situationen entstanden sind. Für jemanden, der sie direkt hintereinander liest, können sie jedoch wie dasselbe Thema wirken.
Beim Business ist es genauso. Wir können jedes Mal eine andere Geschichte erzählen und am Ende trotzdem immer bei derselben Aussage landen: „Dieses Business bietet eine Möglichkeit.“
KI kann solche Wiederholungen sehr gut erkennen, weil sie zu keinem unserer Beiträge eine emotionale Beziehung hat.
Wiederhole ich unbewusst dieselben Themen oder Strukturen?
Das Ziel ist nicht, dass KI uns einen neuen Content-Plan erstellt. Wir möchten lediglich Wiederholungen sehen, die wir selbst nur schwer bemerken.
Manchmal kann das Ergebnis ziemlich überraschend sein.
Es gibt noch eine andere Art von Wiederholung: die Art, wie wir schreiben
Unsere Themen können völlig unterschiedlich sein und trotzdem kann fast jeder Beitrag ähnlich beginnen. Oder jeder endet mit einer Frage. Vielleicht verwenden wir immer wieder dieselbe Einladung zum Kommentieren, dieselben Formulierungen oder fast dieselbe Struktur.
Wir selbst bemerken das nur schwer, weil wir die Beiträge an unterschiedlichen Tagen schreiben.
KI sieht sie direkt nebeneinander.
Sie kann uns zum Beispiel zeigen, dass fünf unserer letzten acht Beiträge mit einer Frage beginnen oder dass fast jeder Business-Beitrag mit irgendeiner Version von „Wenn es dich interessiert, schreib mir“ endet.
Das bedeutet nicht, dass wir ab morgen alles genau anders machen müssen. Wir sehen es jetzt einfach.
Und wenn wir es sehen, können wir selbst entscheiden, ob das wirklich unsere natürliche Art zu schreiben ist oder ob daraus inzwischen eine Gewohnheit geworden ist, die unsere Beiträge vorhersehbar macht.
Wie wirke ich auf einen Menschen, der mich nicht kennt?
Das ist für mich eine der hilfreichsten Prüfungen für ein persönliches Profil.
Nicht: „Was ist meine Marke?“
Wir sind schließlich keine Shampoo-Packung. 😄
Interessanter ist die Frage, was ein Mensch über uns verstehen könnte, wenn er heute nach einem Kommentar von uns unter einem fremden Beitrag auf unser Profil kommt und sich die letzten zehn Beiträge anschaut.
Es geht nicht darum, was wir selbst alles über uns wissen, sondern darum, was tatsächlich sichtbar ist.
Vielleicht wird ein Mensch sofort verstehen, womit wir uns beschäftigen, aber fast nichts anderes über uns erfahren. Oder genau umgekehrt: Er sieht sehr viel von uns als Mensch, kann aber überhaupt nicht erkennen, dass wir ein Business haben.
Keines von beidem ist automatisch falsch. Die Frage ist, ob das Bild, das wir sehen, etwas mit dem zu tun hat, was wir eigentlich zeigen möchten.
Und diese Entscheidung ist unsere Aufgabe, nicht die der KI.
Wir ändern unser Profil nicht nach jeder Bemerkung der KI
Das ist genauso wichtig wie die Analyse selbst.
Wenn KI sagt, dass wir häufig über ein bestimmtes Thema schreiben, bedeutet das nicht, dass wir damit sofort aufhören sollten. Vielleicht ist genau dieses Thema für uns wichtig.
Wenn sie sagt, dass unser Profil sehr persönlich ist, kann genau das unsere Absicht sein.
Und wenn ihr mehr „Bildungsinhalte“ fehlen, müssen wir nicht ab morgen anfangen, auf Facebook Unterricht zu geben. 😄
KI arbeitet mit dem, was wir ihr geben, und erkennt darin bestimmte Muster. Sie weiß nicht, welche Beziehung wir bereits zu unseren Kontakten haben, was wir vor drei Monaten gepostet haben, was gerade in unserem Leben passiert und was wir ganz bewusst nicht zeigen möchten.
Wir schauen sie uns an, vergleichen sie mit unserem eigenen Gefühl und entscheiden selbst, was davon für uns sinnvoll ist.
Noch interessanter wird es, wenn wir diesen Blick von Zeit zu Zeit wiederholen
Eine Momentaufnahme unseres Profils heute ist hilfreich. Noch interessanter ist es aber, nach einiger Zeit wieder hinzuschauen.
Wir müssen natürlich nicht jede Woche eine große Analyse der letzten 47 Beiträge veranstalten. Das wäre vielleicht ein bisschen viel. 😄
Aber von Zeit zu Zeit können wir unsere letzten Beiträge sammeln und schauen, wie sich unsere Inhalte verändert haben. Vielleicht entdecken wir, dass wir inzwischen viel freier über unser Business sprechen. Oder dass in letzter Zeit fast alles nur noch Business geworden ist. Vielleicht hat sich ganz von selbst ein neues Thema entwickelt, das uns offensichtlich beschäftigt, obwohl wir es nie geplant haben.
Genau das ist das Schöne an einer solchen Analyse.
Wir suchen nicht nach dem perfekten Profil. Wir schauen, in welche Richtung sich unser eigenes Profil ganz natürlich entwickelt.
Praxis für diese Lektion
Für diese Übung würde ich die letzten zehn Beiträge aus dem persönlichen Facebook-Profil nehmen.
Nicht nur die Business-Beiträge und auch nicht nur diejenigen, die besonders gut angekommen sind. Einfach die letzten zehn, so wie sie sind.
Wir können die Texte sammeln und bei den Beiträgen, bei denen das Bild für die Aussage wichtig ist, mit einem Satz ergänzen, was darauf zu sehen ist.
Danach würde ich KI zuerst als Beobachter einsetzen, nicht als Berater. Sie soll uns zeigen, welche Themen sie erkennt, was sich wiederholt und welchen Gesamteindruck diese Beiträge zusammen erzeugen könnten.
Danach kommt der wichtigere Teil: Wir schauen uns die Analyse an und entscheiden, ob wir uns selbst in diesem Bild wiedererkennen.
Vielleicht gefällt uns etwas. Etwas anderes überrascht uns. Ein dritter Punkt zeigt uns eine Gewohnheit, die wir bisher nicht bemerkt haben. Und mit etwas anderem sind wir vielleicht überhaupt nicht einverstanden.
Genau so darf es sein.
Denn das Ziel dieser Lektion ist nicht, dass KI uns sagt, wie unser Profil aussehen soll.
Das Ziel ist, dass sie uns für einen Moment einen anderen Stuhl gibt, von dem aus wir unser Profil betrachten können.
In der nächsten Lektion bringen wir alles in unsere eigene Arbeitsweise
In diesem Untermodul haben wir mit den Grenzen von KI begonnen. Wir haben gelernt, ihr sinnvollere Aufgaben zu geben, sie für das Finden und Weiterentwickeln unserer eigenen Themen zu nutzen, Texte mit ihrer Hilfe zu bearbeiten, Gespräche von außen zu betrachten und jetzt auch Beiträge und das gesamte Profil zu analysieren.
Jetzt fehlt noch der wichtigste Schritt: Aus all dem soll nicht einfach eine weitere Sammlung von Prompts werden, die irgendwann vergessen in einem Ordner liegt. 😄
In Lektion 7: „Meine eigene Arbeitsweise mit KI“ ordnen wir deshalb, welche Aufgaben wir sinnvoll an KI geben können, was immer bei uns selbst bleiben sollte, was wir unbedingt überprüfen und wie wir nach und nach unsere eigene Arbeitsweise entwickeln, statt jedes Mal wieder bei null anzufangen.
