UNTERMODUL 06 · LEKTION 03

Auch die eigene Zielgruppe beeinflusst die Relevanz

Wer auf unsere Beiträge reagiert, gehört nicht automatisch zur „richtigen“ oder „falschen“ Zielgruppe. Viel interessanter ist, welche Beziehungen und Interessen sich rund um unser Profil mit der Zeit entwickeln.

MEIN PROFIL
Familie
Freunde
Kollegen
Neue Kontakte
Gemeinsame Themen
Entscheidend ist nicht eine einzelne Reaktion, sondern was sich mit der Zeit entwickelt.

Wenn wir darüber sprechen, wen unsere Beiträge erreichen, teilen wir Menschen schnell in eine „richtige“ und eine „falsche“ Zielgruppe ein.

Besonders dann, wenn auf einen beruflichen Beitrag zuerst Freunde, Familienmitglieder oder alte Bekannte reagieren, entsteht leicht die Sorge: „Wird Facebook jetzt denken, dass genau das meine Zielgruppe ist?“

In dieser Lektion schauen wir uns an, warum einzelne Reaktionen unsere Zielgruppe nicht festlegen und warum es viel sinnvoller ist, die Entwicklung über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Was passiert, wenn die „falschen“ Menschen reagieren?

EIN TYPISCHER GEDANKE
„Ich veröffentliche etwas über meine Arbeit, aber zuerst reagieren meine Schwester, meine Nachbarin und eine alte Schulfreundin. Zeigt Facebook meinen Beitrag jetzt nur noch solchen Menschen?“
Schwester
Nachbarin
Schulfreundin
Alter Kontakt
Nein.

Eine einzelne Reaktion von einem Freund oder Familienmitglied sagt Facebook nicht: „Suche ab jetzt nur noch Menschen, die genauso sind.“

Wenn wir kurz darüber nachdenken, wäre es auch ziemlich merkwürdig, wenn Facebook so funktionieren würde.

Die meisten persönlichen Profile bestehen seit vielen Jahren. In dieser Zeit haben sich ganz unterschiedliche Menschen rund um uns gesammelt.

Ein persönliches Profil besteht ganz natürlich aus verschiedenen Beziehungen

Familie
Freunde
Frühere Kollegen
Bekannte
Berufliche Kontakte

Es ist völlig normal, dass diese Menschen mit unterschiedlichen Beiträgen von uns interagieren.

Trotzdem spielt die Zielgruppe eine Rolle. Nur eben nicht auf die einfache Art, die wir manchmal vermuten.

Nicht eine Reaktion. Sondern das Muster mit der Zeit.

Wenn bestimmte Menschen unsere Beiträge regelmäßig lesen, mit uns sprechen, sich für bestimmte Themen interessieren und immer wieder zu unseren Inhalten zurückkehren, entstehen nach und nach Signale über diese Beziehungen und Interessen.

Der entscheidende Ausdruck ist: mit der Zeit.

× Nicht ein einzelnes Like
× Nicht ein einzelner Kommentar
× Nicht die erste Reaktion nach fünf Minuten

Interessanter ist das Muster, das sich langsam entwickelt

01 Ein Beitrag wird gelesen
02 Das Thema taucht wieder auf
03 Menschen kehren zurück
04 Beziehungen werden erkennbar

Mit der Zeit entsteht ein wesentlich aussagekräftigeres Bild als durch eine einzelne Reaktion.

Fragen Sie sich deshalb weniger: „Sind das die richtigen Menschen?“ Beobachten Sie lieber: „Welche Menschen interessieren sich immer wieder für welche meiner Themen?“

Die sichtbaren Reaktionen sind nicht Ihre ganze Zielgruppe

Dabei können wir Überraschungen erleben. Ein Mensch, den wir überhaupt nicht zu unserer vermeintlichen „Zielgruppe“ gezählt hätten, kann regelmäßig genau unsere beruflichen Beiträge lesen.

Ein anderer Mensch reagiert vielleicht monatelang überhaupt nicht und schreibt uns irgendwann persönlich: „Ich lese schon länger, was du zu diesem Thema schreibst.“

DAS SEHEN WIR

Sichtbare Interaktionen

Likes, Reaktionen, Kommentare und geteilte Inhalte können wir direkt unter einem Beitrag erkennen.

Wer nicht kommentiert, ist nicht automatisch uninteressiert.

Machen Sie aus Freunden und Familie kein Problem

WENN WIR ZU STARK IN „ZIELGRUPPEN“ DENKEN

Plötzlich stört uns die Freundin, die etwas unter einen Beitrag schreibt, weil sie „nicht zur Zielgruppe gehört“.

Ein Familienmitglied setzt ein Herz und wir fragen uns schon, ob es damit unseren Algorithmus durcheinanderbringt.

So sollten wir Menschen rund um unser persönliches Profil nicht betrachten.

Es ist ein persönliches Profil. Genau die Mischung verschiedener Beziehungen gehört zu seinem Charakter.

Die wichtigere Frage ist: Ergänzen wir dieses bestehende Umfeld nach und nach um Menschen, mit denen wir auch über unsere wichtigen Themen mehr gemeinsame Gespräche führen möchten?

Zielgruppen werden nicht nur gefunden. Beziehungen entstehen.

Wenn mich ein bestimmtes Thema interessiert, kann ich Menschen folgen, die sinnvoll darüber sprechen. Ich kann mich an Gesprächen beteiligen, neue Menschen über Kommentare und Gruppen entdecken und den Menschen antworten, die zu mir kommen.

So erweitert sich der Kreis rund um mein Profil mit der Zeit ganz natürlich.

So kann ein passendes Umfeld langsam wachsen

01 Menschen entdecken

Finden Sie Menschen, die sich ernsthaft mit Ihren Themen beschäftigen.

02 Gespräche verfolgen

Lesen Sie mit und beobachten Sie, welche Fragen und Gedanken auftauchen.

03 Sich beteiligen

Schreiben Sie dort, wo Sie tatsächlich etwas beitragen möchten.

04 Beziehungen entstehen lassen

Antworten Sie Menschen und lassen Sie echte Kontakte wachsen.

Dabei gibt es noch einen wichtigen Punkt: Es reicht nicht, nur „unsere Menschen“ zu finden.

Wir müssen ihnen auch einen Grund geben, zu bleiben.

Hier treffen Inhalte und Zielgruppe aufeinander

EINMAL

Ein interessanter Beitrag

Jemand entdeckt mich über einen Beitrag zum Thema Social Media. Danach taucht dieses Thema zwei Monate lang überhaupt nicht mehr auf.

MIT DER ZEIT

Ein Thema wird erkennbar

Das Thema erscheint immer wieder, aber jedes Mal aus einer anderen Perspektive. Nach und nach entsteht: „Ah, darüber spricht sie.“

Genau hier verbindet sich das, was wir in Untermodul 5 gelernt haben, mit dem Thema Relevanz.

Wir sprechen nicht regelmäßig über bestimmte Themen, um einen Algorithmus zu „trainieren“.

Wir tun es, damit Menschen verstehen können, wer wir sind, worüber wir sprechen und ob sie uns weiter folgen möchten.

Wir, die Menschen und Facebook beeinflussen die Entwicklung gemeinsam

Relevanz entsteht nicht nur in eine Richtung

01 Wir veröffentlichen und sprechen mit Menschen
02 Menschen entscheiden, was sie interessiert
03 Facebook erkennt verschiedene Signale und Beziehungen

Deshalb würde ich nicht versuchen, meine Zielgruppe künstlich zu „bereinigen“, nur weil jemand nicht wie der ideale Mensch für mein Business aussieht.

Die Lösung ist nicht, Menschen zu entfernen

Entfernen Sie nicht plötzlich Freunde, nur weil sie nicht zu einer gedachten Zielgruppe passen. Und machen Sie sich nicht verrückt darüber, wer auf welchen Beitrag ein Like gesetzt hat.

Wenn rund um Ihr Profil noch zu wenige Menschen sind, die sich für Ihre Themen interessieren, ist die natürlichere Lösung: Erweitern Sie Ihr Umfeld nach und nach.

Seien Sie rund um Ihre Themen aktiver. Entdecken Sie Menschen. Sprechen Sie mit ihnen. Beteiligen Sie sich dort, wo Sie tatsächlich etwas zu sagen haben.

Und geben Sie Ihrem eigenen Profil weiterhin Inhalte, wegen denen diese Menschen gerne zurückkommen.

Nicht für eine Woche. Nicht mit einer Pflicht von zwanzig Kommentaren am Tag. Es geht um die Art, wie wir Facebook langfristig nutzen.

EINE PRAKTISCHE ÜBUNG

Schauen Sie nicht nur auf die Zahlen. Schauen Sie auf die Menschen.

Öffnen Sie mehrere eigene Beiträge zum gleichen Thema aus den letzten Monaten. Schauen Sie diesmal nicht zuerst auf die Anzahl der Reaktionen.

Beobachten Sie stattdessen, welche Menschen immer wieder auftauchen.

01

Gibt es Namen, die Sie inzwischen wiedererkennen?

02

Gibt es Menschen, die regelmäßig Fragen stellen?

03

Tauchen nach und nach neue Menschen rund um dieses Thema auf?

04

Gibt es Menschen, die zunächst nur reagiert haben und später begonnen haben, sich an Gesprächen zu beteiligen?

Diese Beobachtung kann Ihnen über Ihre Zielgruppe deutlich mehr sagen als eine einzelne Reichweitenzahl.

Und wenn Sie solche Menschen noch nicht erkennen, ist auch das eine wertvolle Information.

Dann stellen Sie sich die Frage: Baue ich selbst neue Beziehungen rund um dieses Thema auf oder veröffentliche ich nur und warte darauf, dass jemand mich findet?

EINE IDEE ZUM MITNEHMEN

Machen Sie sich weniger Gedanken darüber, ob bei Ihrem letzten Beitrag die „richtigen“ Menschen reagiert haben. Beobachten Sie lieber, ob sich mit der Zeit rund um Ihre Themen Menschen sammeln, die sich wirklich dafür interessieren.

IN DER NÄCHSTEN LEKTION

Als Nächstes geht es um thematische Kontinuität, ohne das persönliche Profil in eine einzige Nische zu sperren. Wir schauen uns auch den verbreiteten Rat an, man müsse eine Zeit lang nur über ein einziges Thema sprechen, damit Facebook endlich „versteht“, wer man ist.